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Agrarminister Schmidt im Gerstenfeld
Agrarminister Schmidt im Gerstenfeld (Foto: BMEL/photohek/Ronny Hartmann)

Zur Sache, Minister Schmidt: Gentechnik ja oder nein?

27.11.2014

Gleich ein doppeltes Nein wird von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in diesen Tagen in Sachen Agro-Gentechnik erwartet. Mehr als 200.000 Bürger haben in weniger als 48 Stunden den laufenden Appell "Monsanto entscheidet? Nein Danke!" eines Bündnisses zivilgesellschaftlicher Organisationen unterzeichnet. Sie wollen nationale Anbau-Verbote in der EU ohne Konzern-Einfluss. Das Institut Testbiotech fordert von Schmidt in einem offenen Brief zudem, gegen die Importzulassung eines Gentechnik-Rapses zu stimmen.

Die große Anzahl der Unterzeichnenden und über ein Dutzend Organisationen - von Imkern bis zur Verbraucherzentrale - senden ein eindeutiges Signal: Minister Schmidt solle von seiner bisherigen Position abrücken. Gentechnik-Konzerne dürften nicht am Regulierungsverfahren beteiligt sein, das nationale Anbauverbote von Gentechnik-Pflanzen regelt. Schmidt solle dafür sorgen, dass das Anbauverbot von Gentechnik-Pflanzen jederzeit möglich sei und auf Grundlage der Umwelt-Gesetzgebung der EU erfolgen kann.

Auch bei der am Freitag anstehenden Abstimmung zur Importzulassung eines neuen Gentechnik-Rapses muss laut Testbiotech von der Bundesregierung ein entschiedenes Nein kommen. Denn Raps zeichnet sich durch eine Keimfähigkeit von bis zu 10 Jahren und eine hohe Auskreuzung in andere Kultur- und Wildarten aus. Die unkontrollierte Ausbreitung von Raps wird auch aus der Studie von Testbiotech aus dem Jahr 2013 an Fallbeispielen wie Kanada und USA eindeutig belegt. Käme es zu einer Importzulassung des Gentechnik-Rapses der Firma Monsanto (MON88302), gelange das Transgen in Form von keimfähigen Körnern in die EU. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hielt in ihrer Stellungnahme zwar fest, dass es unweigerlich zu Transportverlusten kommen würde, sie erachte eine unkontrollierte Ausbreitung des Gentechnik-Raps aber für gering.

Neben den ökologischen entstehen durch die unkontrollierte Verbreitung auch ökonomische Kosten, vor allem für den Handel. Die Kosten beim Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft sind insgesamt hoch, ein nachhaltiger Nutzen kann in den Ländern, in denen Gentechnik großflächig angebaut wird, nur für die Gentechnik-Konzerne nachgewiesen werden, meinen Kritiker. Auf den Kosten für Trennung der Warenströme und Analysen beim Einsatz von Gentechnik bleibt der Handel sitzen. Nicht nur die ökologische, sondern auch die konventionelle Land- und Lebensmittelwirtschaft setzt daher zunehmend auf gentechnikfrei. Das war das Ergebnis der Herbsttagung des Bio-Dachverbandes BÖLW. So forderte Ludger Breloh, strategischer Einkaufsleiter der Rewe Group, im Rahmen der Veranstaltung ein uneingeschränktes Anbauverbot von Gentechnik-Pflanzen und die Sicherstellung gentechnikfreier Futtermittelversorgung. (keh)