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„Inakzeptable“ Einschätzungen, enge Industrie-Verbindungen

10.11.2014

Im Oktober erschien eine von der EU finanzierte Untersuchung zu einem gentechnisch veränderten Mais des US-Konzerns Monsanto. Sie soll gezeigt haben, dass bei Ratten „keine negativen Effekte“ auftreten, wenn sie mit dem insektengift-produzierenden MON810-Mais gefüttert werden. Experten aus München widersprechen: es seien signifikante Auswirkungen auf Blutserum und Bauchspeicheldrüse zu erkennen. Zudem bestünden Hinweise auf Interessenkonflikte bei Forschern und Chefredaktion des Fachjournals, in dem die umstrittene Studie erschien.

Für die Studie wurden Ratten 90 Tage lang mit zwei Sorten von gentechnisch verändertem MON810-Mais gefüttert. Sie hat besonderes Gewicht, da die EU-Kommission sie in Auftrag gegeben hat, um Methoden der Risikobewertung zu testen. Wie Gesundheitsrisiken von Gentechnik-Pflanzen künftig geprüft werden, hängt also auch von dieser Untersuchung ab, die Bestandteil des Projekts GRACE (GMO Risk Assessment and Communication of Evidence) ist. Es läuft noch bis Ende November 2015. Das Fazit, formuliert von der Genius GmbH, die die GRACE-Webseite betreibt: „Die Ergebnisse zeigten, dass die beiden untersuchten gv-Maissorten bei den Versuchstieren keine negativen Effekte auslösten.“

„Inakzeptabel“, heißt es dazu beim Verein Testbiotech aus München. Denn „eine signifikante Abnahme des Gehalts an Gesamtprotein (Gesamteiweiß) im Serum, die Verringerung des Pankreasgewichts und die Erhöhung des Glukosespiegels“ seien als irrelevant abgetan worden. Zudem seien die nach internationalen Standards vorgeschriebenen Gewebeuntersuchungen nicht immer durchgeführt, die von der Maismenge abhängige Veränderung der Bauchspeicheldrüse der Ratten hingegen „völlig“ verschwiegen worden.

„Das führt uns zu dem Schluss, dass die Studie im Sinne einer Sicherheitsbewertung als weitgehend wertlos betrachtet werden muss“, so Testbiotech. Neben der fachlichen Kritik wirft der Expertenverein den GRACE-Forschern vor, potenzielle Interessenkonflikte nicht vollständig angegeben zu haben. Der korrespondierende Autor, Pablo Steinberg von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, ist beispielsweise Mitglied einer Expertengruppe des International Life Sciences Institute (ILSI), einer Lobbyorganisation, die die Interessen von Lebensmittel- und Tabakkonzernen gegenüber Politik und Behörden vertritt – auch von Monsanto, dem Hersteller des fraglichen Gentech-Maises.

Kritik gibt es auch an der Fachzeitschrift „Archives of Toxicology“, die die Studie veröffentlichte. Nicht nur hätten deren Chefredakteure ebenfalls Verbindungen zur Chemie- und Tabakindustrie. Testbiotech weist auch darauf hin, dass Steinberg eine beratende Rolle beim Journal spielt. Laut Website gehört er zu den „Advisory Editors“. Daher könne es „nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei der GRACE-Veröffentlichung um einen Fall von 'Selbst-Publikation' handelt, dem es an ausreichender externer und neutraler Kontrolle mangelt“, gibt Testbiotech zu bedenken. [dh]