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Atlas der unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen
Unkontrollierte Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen ist ein wichtiges Thema für den Verein Testbiotech, von dem auch diese Grafik stammt

Gentechnik-Verunreinigungen: Bundesregierung sieht tatenlos zu

25.09.2014

Laut Testbiotech konnten bisher weder ein Aufruf eines Bündnisses von 35 Organisationen noch mehrfache Appelle an die Bundesminister Barbara Hendricks (Umwelt) und Christian Schmidt (Landwirtschaft) die Bundesregierung dazu bewegen, sich für klare internationale Regelungen gegen die unkontrollierte Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) einzusetzen. Damit fährt Deutschland ohne klares Mandat oder Vorschläge zum Stopp von GVO-Verunreinigungen zur entscheidenden UN-Konferenz zum „Cartagena Protokoll“ nach Südkorea. Dort wird ab dem 29.09. verhandelt, wie ungewollte grenzüberschreitende Verbreitungen von Gentech-Organismen rechtlich geregelt werden können.

Bereits im Mai dieses Jahres appellierte ein breites internationales Bündnis in einem Aufruf an die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD), sich dafür einzusetzen, die unkontrollierte Ausbreitung von GVO zu stoppen. Denn diese birgt das Risiko, die ursprüngliche biologische Vielfalt der Nutzpflanzen zu zerstören. Dabei sind sich Wissenschaft und Politik einig, dass die biologische Vielfalt geschützt werden muss.

Betroffen von der ungewollten Verbreitung von GVO sind nahezu alle Kontinente, Nord- und Mittelamerika, Australien, Asien und Europa. Wie sich die gentechnischen Veränderungen ausbreiten, ist nicht immer geklärt. Möglich ist die Übertragung durch Wind und Insekten, aber auch auf dem Transportweg. Dabei kann die Wiege der Verbreitung oft durch Kontinente vom Fundort des GVO getrennt sein. Dokumentiert sind ungewollte gentechnische Veränderungen bei Kulturpflanzen wie Mais, Reis, Baumwolle und Raps, Gräsern sowie Pappeln. Aber auch bei Wildarten sind Verunreinigungen bekannt.

Besonders besorgt zeigt sich das Bündnis wegen der Freisetzung von gentechnisch veränderten Fischen und Insekten, die sich über Grenzen hinweg bewegen und fortpflanzen. Aber auch Bäume, die eine wesentlich längere Lebenszeit als Kulturpflanzen aufweisen, bergen Langzeitrisiken. Zwar weist die EU in einer Stellungnahme ausdrücklich auf die Risiken gentechnisch veränderter Insekten hin, konkrete Regelungen schlägt sie jedoch nicht vor. Die Bundesregierung verstecke sich hinter der Stellungnahme der EU und plane selbst auch keine konkreten Initiativen, kritisiert Christoph Then vom Verein Testbiotech. Er befürchtet, dass das völlig passive Verhalten der Bundesregierung mit dem geplanten Freihandelsabkommen mit den USA in Zusammenhang steht. [keh]