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Wasserfloh Daphnia Magna
Wasserfloh Daphnia Magna (Foto: Oregon State University, Lizenz: creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Unvollständiges Bild bei Gentechnik-Risiken

15.09.2014

In Berlin fand letzte Woche die jährliche Konferenz des Wissenschaftsvereins ENSSER (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility) statt. Ein Fazit: die Risikobewertung bei gentechnisch veränderten Organismen und Pestiziden ist zu oberflächlich. Ein norwegischer Wissenschaftler stellte eine neue Forschungsarbeit vor, wonach die Fütterung mit herbizidresistenten Gentech-Sojabohnen Wasserflöhe schädigt.

Fruchtbarkeit und Lebensdauer der Tierchen werde beeinträchtigt, so der Biologe Thomas Bohn, der an der Universität Tromso und bei der Biosicherheits-Stiftung Genok forscht. Dabei habe sich gezeigt: je höher die Rückstände des Spritzmittelwirkstoffs Glyphosat und seines Hauptabbauprodukts – der Aminomethylphosphonsäure (AMPA) – im Soja, desto größer der Schaden. Die noch nicht erschienene Studie untersuchte die Auswirkungen von Gentechnik-Soja im Vergleich zu konventionellem und biologisch angebauten Soja auf den Großen Wasserfloh (Daphnia Magna).

Gentechnisch verändertes Soja enthält oft hohe Mengen an Glyphosat und seiner Abbauprodukte. Bohn und seine Kollegen haben beispielsweise Bohnen von 31 Landwirten im US-Bundesstaat Iowa unter die Lupe genommen. Die Untersuchung veröffentlichten sie im Juni im Fachblatt Food Chemistry. Das Ergebnis: bei 7 von 10 Gentechnik-Proben lagen die Giftrückstände in einem Bereich, der vom Agrochemiekonzern Monsanto im Jahr 1999 selbst als „extrem“ definiert worden war. Weltweit haben die Behörden die erlaubten Mengen später allerdings auf ein Vielfaches angehoben – so dass auch die zuvor als außergewöhnlich hoch eingestuften Rückstände kein Problem für die Vermarktung des Sojas darstellten.

Für Bohn und andere Wissenschaftler ist das nicht verständlich. Auf der Jahreskonferenz des Wissenschaftsvereins ENSSER, die letzte Woche an der Technischen Universität Berlin stattfand, kritisierten sie, dass die Risikobewertung kein vollständiges Bild liefere. So würden Stoffe, die zusammen mit dem Wirkstoff Glyphosat die verkaufsfertige Spritzmischung bilden, nicht genau geprüft. Bei Gentechnik-Pflanzen selbst würden nur die Pflanzen, nicht aber die Kombination aus Pflanze und Pestizidrückständen analysiert. Bohn hat 16 Fütterungsstudien mit gentechnisch veränderten Pflanzen ausgewertet, die zwischen 2000 und 2013 durchgeführt worden waren. Nur bei dreien wurden die Pflanzen tatsächlich mit den Herbiziden besprüht, mit denen sie auf dem echten Acker mehrfach behandelt werden. [dh]