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Raps
Raps breitet sich besonders schnell in der Umwelt aus - so können sich die Gentechnik-Eigenschaften auf andere Pflanzen übertragen (Foto: hbrinkman / freeimages)

Forderung an Regierung: Stopp von Monsanto-Raps

29.07.2014

Mehrere Organisationen aus Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Umweltschutz haben die Bundesregierung am Freitag aufgefordert, sich gegen die Zulassung einer gentechnisch veränderten Rapslinie des US-Konzerns Monsanto einzusetzen. Der EU-Lebensmittelbehörde EFSA wirft der Verein Testbiotech aus München vor, die Risiken „gezielt zu verharmlosen“.

In einem Brief an Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) schreiben die NGOs: „Wir sind der Ansicht, dass die Risikoabschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA unzureichend und der Import von keimfähigen gentechnisch veränderten Rapssamen nicht genehmigungsfähig ist.“ Auch das auf EU-Ebene geplante Opt-Out, das die Bundesregierung mitträgt, schaffe hier keine Abhilfe. Es soll Anbauverbote erleichtern, stößt aber auf viel Kritik von Verbraucher- und Umweltschützern. Zudem geht es beim Monsanto-Raps MON88302 um eine Importgenehmigung. Der Raps ist resistent gegen das Spritzmittel Glyphosat.

Die für die Risikobewertung zuständige Behörde, die EFSA mit Sitz in Parma, hatte in ihrer Begutachtung der Monsanto-Rapspflanze eingeräumt, man könne „die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der genetische Transformationsprozess (...) zu einem unbeabsichtigten Effekt geführt hat.“ Die genmodifizierten Pflanzen blühten später als konventioneller Raps. Dennoch bescheinigte die EFSA dem Raps Unbedenklichkeit.

Weitere Daten, auch zu Auswirkungen des Spritzmittels, gegen das der Raps immun gemacht wurde, verlangte die EFSA nicht. „Das Motto der EFSA scheint zu lauten: Wer nichts sucht, muss auch nicht befürchten, etwas zu finden“, kritisiert Christoph Then von Testbiotech. „Eine Behörde, die behauptet, Monsantos Raps sei sicher, obwohl entscheidende Daten fehlen, handelt fahrlässig.“ Der Verein hatte den Brief an die Bundesregierung im Namen von NGOs wie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Gesellschaft für ökologische Forschung, der Katholische Landvolk Bewegung Erzdiözese Freiburg und dem Verein „Die Bäcker. Zeit für Geschmack“ verschickt.

„Die Erfahrung mit Importländern wie Japan zeigt, dass die EFSA das Problem falsch einschätzt: Obwohl in Japan offiziell kein gentechnisch veränderter Raps angebaut wird, findet man diesen überall entlang der Straßen, Häfen und Fabriken, wo er transportiert oder verarbeitet wird. Schafft der Raps einmal den Gensprung in die Umwelt, kann er sich dort über Jahre unkontrolliert vermehren“, so Christoph Then. „Treten dann wirtschaftliche oder ökologische Schäden auf, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen, wenn sich die Ausbreitung der Transgene nicht mehr eindämmen lässt.“ [dh]