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Kleinräumige Landwirtschaft
Bild: EwigLernender (CC BY-SA 3.0)

Klares Nein zur Gentechnik bei Hungerbekämpfung fehlt

02.07.2014

Anlässlich der XI. Konferenz „Politik gegen Hunger“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sprach sich Minister Christian Schmidt (CDU) gestern dafür aus, bei Investitionen in die Landwirtschaft verantwortungsbewusst zu agieren. Nur so könnte Ernährungssicherung, nachhaltige Entwicklung und Sicherheit weltweit gefördert werden. Ein klares Nein zur Gentechnik als Instrument zur Förderung von verantwortungsbewusster Landwirtschaft kam nicht, obwohl viele Publikationen klar aufzeigen: das Hungerproblem lässt sich durch Gentechnik nicht lösen.

Erst vor wenigen Tagen wies der Minister im Rahmen einer Veranstaltung des Deutschen Bauernverbandes auf die ungeklärten Risiken der Gentechnik hin und betonte, dass Deutschland daher diese Technologie nicht brauche. Ein solches Signal für die Landwirtschaft in Afrika, Asien und Südamerika blieb indes aus. „Es ist zynisch, eine Technologie mit ungeklärtem und erklärbarem Risiko als Lösung für die ärmsten Länder der Welt zu propagieren. Gentechnikfreiheit ist kein Luxus für das wohlhabende Europa, sondern eine unverzichtbarer Grundlage einer nachhaltigen globalen Landwirtschaft“, kommentierte die grüne Bundestagsfraktion in einem Statement die Worte des Ministers im Zusammenhang mit der Konferenz.

Gentechnik kann das Hungerproblem nicht lösen und bietet auch keinen Ansatz für die drohenden Folgen des Klimawandels. Aus einer Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wird vielmehr deutlich, dass die Gentechnik den Unternehmen dient, die mit dem Verkauf der Gentechnik-Pflanzen ihr Kerngeschäft absichern: den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln. Denn obwohl seit über 20 Jahren GVO kommerziell angebaut werden, sind keine Pflanzen auf dem Markt, die dauerhaft höhere Erträge liefern oder an besondere klimatische Bedingungen angepasst und damit resistent gegen Hitze oder Dürre wären. Mit teuren, patentierten Pflanzen, die den Einsatz von kostspieligen Betriebsmitteln erfordern, können arme Landwirte in den Ländern des Südens ihre Ernährungssituation nicht verbessern.

Gentechnik werde nicht bei der Reduzierung von Hunger helfen,sagte auch Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe bei der Vorstellung des Welthungerindex 2013. Die Welthungerhilfe fordert langfristige Strategien zur Bekämpfung der Ursachen des Hungers. Gentechnisch verändertes Saatgut verstärke vielmehr die Abhängigkeit der Bauern. Der eigene Anbau ist für viele Kleinbauern in Entwicklungsländern oft die einzige Einnahmequelle. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) stößt in dasselbe Horn: der Nutzen transgener Pflanzen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit sei nicht erwiesen.

Die Lösung liegt in einer ökologischen Intensivierung der Landwirtschaft und der Ausbildung der Menschen vor Ort. Zu diesem Schluss kam 2008 auch der Weltagrarbericht: die Zukunft der Landwirtschaft liege in einer Rückbesinnung auf natürliche, regionale und nachhaltige Produktionsweisen. Eine Studie der Deutschen Bank bestätigte diese Ergebnisse: die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft für die globale Lebensmittelversorgung sei enorm.

Die deutsche Landwirtschaft- und Entwicklungspolitik setzt hingegen vorwiegend auf den Erhalt des Status quo, welche auf eine intensive und exportorientierte Struktur setzt, anstatt regional angepasste, wissensintensive Systeme zu fördern. In diesen Kanon passt die Gentechnik-Politik der Bundesregierung: Bei der Abstimmung über die Zulassung des Gentechnik-Maises 1507 hat sich die Bundesregierung in Brüssel wieder einmal enthalten. Zudem fließen weiter Forschungsgelder für die Gentechnik. Das ging aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen vom Juli 2013 zur Forschungsförderung des Bundes für die Agrogentechnik hervor: Die Fördersumme für wissenschaftliche Einrichtungen des Bundes, Universitäten und Privatunternehmen beträgt zwischen 2011 und 2015 über 45 Millionen Euro. Für die Mitwirkung an Projekten streichen Saatgut- und Gentechnikunternehmen noch zusätzlich Gelder in Millionenhöhe ein. (keh)