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EFSA
Das Hauptgebäude der EFSA in Parma (Foto: Lucio Rossi / EFSA)

Monsanto-Raps: „Unbeabsichtigter Effekt“ möglich

27.06.2014

Letzte Woche veröffentlichte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA einen Bericht, wonach gentechnisch veränderter Raps des Agrarkonzerns Monsanto genauso sicher sei wie herkömmliche Sorten. Allerdings räumen die EFSA-Experten ein, sie könnten „die Möglichkeit nicht ausschließen, dass der genetische Transformationsprozess (...) zu einem unbeabsichtigten Effekt geführt hat.“ Der Grund: die genmodifizierten Rapspflanzen blühen später. Dabei sollen sie nur gegen ein Herbizid immun sein.

Der Gentech-Raps MON 88302 wurde - wie die meisten gentechnisch veränderten Pflanzen - gegen ein Spritzmittel resistent gemacht. Der Raps kann mit Glyphosat („Roundup“) besprüht werden, das Monsanto ebenfalls herstellt. Allerdings hat der Monsanto-Raps offenbar auch noch eine weitere Eigenschaft, die so nicht geplant war: er blüht circa fünf Tage später als andere Rapspflanzen, wie die EFSA festhält.

Woran das liegt, kann die Behörde nicht beantworten. Ihr liegen wie stets nur die Unterlagen vor, die der Antragssteller eingereicht hat. Wegen der unterschiedlichen Dauer bis zur Blüte verlangte die EFSA zusätzliche Daten, Monsanto lieferte Ergebnisse von Tests in den USA und Kanada. Die Behörde sieht zwei Möglichkeiten: entweder stammt die Auffälligkeit vom „genetischen Hintergrund“ der Rapssorte, in die Monsanto das Gen für Herbizidresistenz eingebaut hat. Oder aber es hat einen „unbeabsichtigten Effekt“ aufgrund der gentechnischen Veränderung gegeben. Diese Möglichkeit könne man nicht ausschließen, so die Mitglieder des Gentechnik-Gremiums der EFSA - „wissenschaftliche Unsicherheit“ bleibe bestehen.

In jedem Fall sei man aber der Meinung, dass dieser Unterschied MON 88302 keinen evolutionären Vorteil bringe und die Pflanze auch sonst „so sicher“ wie konventionelle Vergleichspflanze sei. Darüber, ob der Gentechnik-Raps bald in die EU importiert und als Futter- und Lebensmittel verwendet werden darf, müssen die Mitgliedsstaaten entscheiden. Wegen der möglichen Auswilderung warnen einige NGOs vor der Genehmigung. „Die Bundesregierung muss gegen die Importzulassung des gentechnisch veränderten Raps stimmen und seine Zulassung in der EU verhindern“, forderte beispielsweise Peter Röhrig vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. [dh]