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Foto: mordoc / freeimages

Herbizide: „Gesamttoxizität bis um das 1000-fache höher“

04.06.2014

Bestimmte Pflanzenschutzmittel sollen vom Markt genommen werden, so lange unklar ist, welche tatsächliche Giftigkeit diese Mittel haben. Das fordert der agrarpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Harald Ebner, im ARD-Magazin FAKT. Hintergrund sind sich verstärkende Hinweise darauf, dass in glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln Beistoffe enthalten sind, die die Giftigkeit der Gemische in einem unbekannten Ausmaß erhöhen.

Das ARD-Politmagazin FAKT berichtet über eine kürzlich veröffentlichte Studie französischer Forscher, die eine deutlich erhöhte Giftigkeit bestimmter Pestizide an menschlichen Zellen zeigt. Dieser toxizitätssteigernde Effekt geht offenbar auf die Wirkung von Beistoffen wie zum Beispiel Netzmitteln zurück. Das sind Stoffe, die für ein besseres Eindringen des Wirkstoffes in die Pflanzen sorgen.

Der Hauptautor der Studie, Prof. Gilles-Eric Séralini von der Universität Caen, sagte gegenüber FAKT, dass durch die „versteckten Gifte“ die Gesamttoxizität bestimmter Pestizide um bis zu einem Faktor von 1.000 unterschätzt werde. „Das ist wissenschaftlich ein Fehler! Und zwar ein Fehler, der die öffentliche Gesundheit gefährdet.“

Tatsächlich sind hinsichtlich langfristiger gesundheitlicher Auswirkungen allein die Hauptwirkstoffe geprüft, nicht dagegen die handelsüblichen Mischungen inklusive der Beistoffe. Das Problem gesteigerter Toxizität durch Beistoffe betrifft laut dieser Studie nicht allein glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel, sondern auch bestimmte andere Herbizide, Insektizide und Fungizide.

Wie FAKT weiter berichtet, haben offenkundig auch die Zulassungsbehörden keine sichere Kenntnis hinsichtlich der Frage, wie giftig diese Pflanzenschutzmittel tatsächlich sind. Erst im Januar kündigte das Bun-desinstitut für Risikobewertung auf einem öffentlichen Symposium an, die Wechselwirkungen der Beistoffe jetzt untersuchen zu wollen.

Für den grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner kann es nicht sein, dass negative Wirkungen von Beistoffen nun zwar untersucht werden, bestehende Zulassungen währenddessen aber erhalten bleiben: „Es ist ein dringender Handlungsbedarf, solche Stoffe dann auch für die Zeit, wo wir es nicht wissen, vom Markt zu nehmen. Weil wir den Menschen und der Umwelt da was zumuten, was wir ihnen nicht zumuten dürfen.“

Auch von wissenschaftlicher Seite werden die Zulassungsbehörden scharf kritisiert. So sagte die langjährige Institutsleiterin an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Prof. Monika Krüger, gegenüber FAKT: „Aus meiner Sicht ist das ein Versagen, und ich fühle mich auch als Verbraucher von der ganzen Geschichte gefährdet!“

Glyphosathaltige Pflanzengifte sind die meisteingesetzten Herbizide überhaupt, rund 100.000 Tonnen werden weltweit pro Jahr in die Umwelt ausgebracht. In Deutschland sind es etwa 6.000 Tonnen. [von: MDR FAKT]