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Mit und ohne Gentechnik - in der konventionellen Landwirtschaft werden häufig chemische Spritzmittel eingesetzt (vierdrie / freeimages)

Neue Gifte braucht das Land

25.03.2014

Acht bis zehn Jahre Arbeit, 200 Millionen Euro – der Aufwand zur Entwicklung eines neuen Wirkstoffs für Unkrautvernichtungsmittel ist groß. Glyphosat, die bisherige Nummer eins unter den Herbiziden, verliert jedoch an Wirkung - vor allem in den USA, wo Gentechnik-Pflanzen wachsen, die eigens dafür gemacht sind, mit „Roundup“ und anderen glyphosathaltigen Chemikalien besprüht zu werden. Lange dachten Konzerne und Farmer, dass es immer so weiter gehen könnte. „Die dramatische Resistenzentwicklung bei Unkräutern in den letzten Jahren hat uns aber eines Besseren belehrt“, sagte Hermann Stübler von Bayer Cropscience nun in einem Interview.

„Der vielfach ausschließliche Einsatz von Glyphosat in den vereinfachten Fruchtfolgen mit Soja, Mais oder Baumwolle hat zu dramatischer Unkrautresistenz geführt“, so Stübler gegenüber einem Blatt der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. In den USA werden bei diesen Pflanzen zu 90 Prozent gentechnisch veränderte Sorten angebaut, die meist nur eine Eigenschaft haben: sie sind immun gegen chemische Spritzmittel. Durch den systematischen Einsatz auf den Gentech-Plantagen wurden jedoch auch Wildpflanzen resistent. Allein in den USA soll es schon 11 glyphosatresistente Arten geben, im Rest der Welt sind es laut DLG 13. Forscher von Monsanto und Syngenta gehen laut ihrem International Survey of Herbicide Resistant Weeds sogar von 14 in den USA und 28 weltweit aus. Für die Farmer bedeutet das Ernteeinbußen und mehr Arbeit. „Teilweise macht sich Ratlosigkeit unter den Anbauern breit“, so Stübler.

Oft greifen sie deshalb auf ältere – und wesentlich giftigere – Herbizide zurück. Die Gentechnik-Konzerne entwickeln daher Pflanzen, die gegen solche älteren Gifte wie Dicamba und 2,4-D widerstandsfähig sind. Bayer empfiehlt seinen Wirkstoff Glufosinat und die dazu passenden Gentech-Pflanzen. „Mit Glufosinat-Ammonium haben auch wir in Amerika eine Herbizidlösung verfügbar, mit der die resistenten Unkräuter und Ungräser kontrolliert werden können“, sagte Stübler den DLG-Mitteilungen. Aber nur in den USA: denn in der EU darf die Chemikalie schon nur noch teilweise eingesetzt werden, da die Risiken für die Umwelt als zu groß erachtet werden. Glufosinatresistente Gentech-Pflanzen sind nicht zum Anbau zugelassen. Außerdem ist es wohl eine Frage der Zeit, bis auch die neuen alten Herbizide ihre Wirkung verlieren.

Laut Stübler rechnet Bayer bis 2025 nur mit „sehr wenigen“ neuen Herbiziden. In der Zwischenzeit, so sein Rat, sollten die Landwirte verschiedene Gifte kombinieren – und „auf ackerbauliche und Fruchtfolgemaßnahmen zurückgreifen“, was deutlich mehr Arbeit mache. Das wissen Bauern, die ökologisch wirtschaften, schon lange: bei ihnen dürfen weder Gentechnik noch synthetische Pestizide auf den Acker. [dh]