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Schaugarten Üplingen Weizen
Experimente mit Gentechnik-Weizen (Foto: www.schaugarten-ueplingen.de)

Österreich untersucht Risiken von Gentechnik-Weizen

04.03.2014

Gentechnisch veränderter Weizen darf bislang nirgendwo angebaut werden. Wenn es nach dem österreichischen Institut für Naturforschung und Ökologie geht, sollte das auch so bleiben. Denn das Gentechnik-Getreide könnte sich ausbreiten und die Sortenreinheit von normalen Weizen „in hohem Maße“ gefährden. In Deutschland könnte ab Oktober Gentech-Weizen im Freiland getestet werden.

Letztes Jahr war in den USA, im Bundesstaat Oregon, gentechnisch veränderter Weizen des Konzerns Monsanto auf einem Feld entdeckt worden, obwohl er auch jenseits des Atlantiks nicht zugelassen ist. Monsanto hatte zehn Jahre zuvor Freilandversuche mit dem transgenen Getreide angestellt, letztlich aber keine Marktgenehmigung beantragt – anders als bei Soja, Mais oder Raps. Die Weizenexporte des Landes gerieten daraufhin ins Stocken, Japan und Südkorea verzichteten vorerst auf amerikanischen Weizen. Das österreichische Ministerium für Gesundheit gab beim Institut für Naturforschung und Ökologie eine ökologische Risikoabschätzung in Auftrag. Sie erschien im Dezember, nun wurde sie auf der Website des Ministeriums veröffentlicht.

Die Autorin, Kathrin Pascher, hat dafür wissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet. Demnach besteht ein hohes Auskreuzungspotenzial, der Genfluss vom gentechnisch veränderten zu konventionellem Weizen könne „beträchtlich“ sein. Das hänge auch von äußeren Einflüssen wie Temperatur und Feuchtigkeit ab. In Studien seien Auskreuzungen von Weizenpflanzen in bis zu 300 Meter Entfernung vom Anbauort beobachtet worden, von Wind oder Bienen getragen könne der Pollen der Pflanzen jedoch fast drei Kilometer weit gelangen. Bei einer gentechnisch veränderten Variante einer mit dem Weizen verwandten Gräserart sei Genfluss sogar in 21 Kilometer Entfernung nachgewiesen worden.

„Es muss mit großer Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden, dass Transgene über ihre eigentlich vorgesehenen Destinationen verbreitet werden“, so Pascher. „In diesen Fällen ist es sehr unwahrscheinlich, dass einmal entkommene Transgene wieder zurückgenommen werden könnten.“

Die in den Weizen mittels Gentechnik eingebauten Gene, die ihn beispielsweise gegen das Spritzmittel Glyphosat widerstandsfähig machen, könnten so zum Problem für die Umwelt werden.

Außerdem kann der Getreidesamen laut Untersuchung mehrere Jahre im Boden überdauern und dann als Beikraut wieder aufgehen. „Bei einer Kommerzialisierung von transgenem Weizen würden Durchwuchspflanzen eine große Herausforderung für die Sortenreinheit von nicht GV Sorten darstellen, da Durchwuchs einen wesentlichen Beitrag zur Transgen-Übertragung durch Pollen oder Samen liefert.“ Verschärfen würde sich das Problem laut Pascher noch, wenn parallel gentechnisch veränderter Raps angebaut würde, der in den USA und Kanada weit verbreitet ist. Dieser ist ebenfalls gegen Glyphosat resistent. So könnten „besonders konkurrenzfähige Glyphosat-resistente Beikräuter“ entstehen, woraufhin giftigere Chemikalien eingesetzt werden müssten. Die Behörden hätten das allerdings nicht auf dem Schirm: „Diese kumulativen Effekte werden in der ökologischen Risikoanalyse jedoch bis dato nicht berücksichtigt, da die GV Kulturpflanzen auf einer case-by-case-Basis evaluiert werden“, kritisiert die Autorin. Sie erwähnt eine Studie aus Kanada, wonach über 80 Prozent der dortigen Landwirte es ablehnen, dass Gentech-Weizen „uneingeschränkt in die Umwelt freigelassen“ wird.

Pascher empfiehlt Vorsorge: „Die effektivste Maßnahme zur Vermeidung von GV Weizenkontaminationen in der Lebensmittelkette und in der Umwelt wäre, GV Weizen erst gar nicht zu kultivieren.“ Falls doch, müssten Sicherheitsmaßnahmen vorgeschrieben werden, beispielsweise „Isolationszonen“ zwischen den Feldern. Zwar sei weder in den USA noch in Europa die Zulassung von Gentechnik-Weizen in näherer Zukunft zu erwarten, meint die Autorin. Australien plane eine Kommerzialisierung frühestens ab 2020. Deshalb müssen man sich auf die Importe aus Ländern konzentrieren, aus denen transgenes Getreide getestet wurde. Würden in einer Lieferung Spuren von gentechnisch verändertem Weizen gefunden, müsse man entlang der Transportrouten und in Betrieben, die ihn verarbeitet haben, Kontrollen durchführen, „um rechtzeitig das Eindringen von transgenem Weizen in die Umwelt identifizieren und erste begrenzende Maßnahmen setzen zu können.“

In Deutschland wurde vor einigen Jahren gentechnisch veränderter Futterweizen in Sachsen-Anhalt getestet. 2012 genehmigte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben weitere Freilandversuche mit genmodifiziertem Winterweizen, dem Gene der Gerste eingesetzt wurden. Diese haben bislang jedoch nicht stattgefunden. Für diesen Herbst hat das IPK die Freisetzung in Üplingen erneut beantragt. Die Behörde hat noch kein grünes Licht erteilt. [dh]