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Reis
Foto: bxd / stock.xchng

Greenpeace: „Goldener Reis ist eine gefährliche Illusion“

17.01.2014

Vor der Greenpeace-Zentrale in Hamburg versammelten sich heute Gentechnik-Befürworter, um für den „Goldenen Reis“ zu demonstrieren. Sie kreiden es der Umweltschutzorganisation an, dass der transgene Reis immer noch nirgends auf der Welt angebaut wird. Zuletzt wurde eine Marktzulassung auf den Philippinen erneut verschoben, weil die Regierung des Landes noch Sicherheitsbedenken hat.

Der „Goldene Reis“ hat aufgrund der gentechnischen Veränderung einen höheren Gehalt an Carotinoiden – einer Vorstufe von Vitamin A. Damit, so Befürworter, könne man den Vitamin-A-Mangel in Entwicklungsländern reduzieren. Ob das allerdings funktioniert, ist umstritten. Beispielsweise ist nicht klar, ob die Carotinoide den Kochprozess überstehen. Außerdem gibt es längst günstigere Methoden, den Mangel an Vitamin A zu reduzieren, mittels Tabletten oder einer besseren Versorgung mit lokalen Obst- und Gemüsesorten. Anders als beim Gentechnik-Reis droht hier auch keine Verunreinigung traditioneller Reissorten.

Greenpeace hält den „Goldenen Reis“ für eine „gefährliche Illusion“. Solche technischen „Lösungen“ seien wesentlich teurer und keineswegs wirksamer als bewährte Mittel wie Vitamin-A-Präparate oder eine Beimischung zu Grundnahrungsmitteln. „Mangel- und Unterernährung sind in der Regel ein Zeichen von Armut. Dagegen hilft keine Gentechnik!“, schreibt die Organisation auf ihrer Website. „Es braucht den politischen Willen, das Problem ernsthaft zu lösen und die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen. Denn der Zugang zu einer gesunden Ernährung ist ein Menschenrecht.“

So sieht das auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der den „Goldenen Reis“ ebenfalls skeptisch beurteilt: „Das Projekt dient der Aufbesserung des Images der Agro-Gentechnik-Industrie, die mit ihren bisherigen herbizid- und insektenresistenten Pflanzen nichts zur Bekämpfung von Hunger und Armut beigetragen hat, sondern sich allein auf 'cash crops' für den Weltmarkt konzentriert. Diese Pflanzen landen als Tierfutter in den Trögen und als Agrosprit in den Tanks, aber nicht auf den Tellern der Armen.“

Der Gentechnik-Reis wurde zuletzt auf philippinischen Feldern getestet. Eine Marktzulassung wurde aber immer wieder verschoben. Das Internationale Reisforschungsinstitut IRRI, das die Untersuchungen durchführt, schrieb letztes Jahr sogar, es sei „noch nicht gesichert, ob der tägliche Verzehr des Golden Rice den Vitamin A-Status von Menschen verbessert, die einen Mangel an Vitamin A haben.“ Die Regierung der Philippinen forderte weitere Fütterungsstudien und Feldversuche.