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Atlas der unkontrollierten Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen
Unkontrollierte Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen ist ein wichtiges Thema für den Verein Testbiotech, von dem auch diese Grafik stammt

Unzureichender Schutz der Umwelt durch Gentechnik-Atlas bestätigt

13.11.2013

Das Ausmaß der unkontrollierten Verbreitung von Gentechnik-Pflanzen wird in dem gestern von der Organisation Testbiotech veröffentlichten Atlas erstmalig in seiner Gesamtheit erfasst. Ein Nebeneinander von gentechnisch veränderten und nicht gentechnisch veränderten Pflanzen war bisher ohne Auskreuzung nicht möglich. Nimmt man das in der europäischen Gesetzgebung geltende Vorsorgeprinzip ernst, müssen mehr Maßnahmen ergriffen werden, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern. Tonio Borg, EU-Kommissar und zuständig für die Zulassung von Gentechnik-Pflanzen, nimmt seit heute an einer Konferenz zum Thema Koexistenz teil, die unter anderem von Monsanto gesponsert wird.

Die ungewollte Auskreuzung von transgenen Konstrukten ist bei Raps, Baumwolle, Mais, Luzerne, Weißem Straußgras und Pappeln nachgewiesen worden und erstreckt sich über weite Teile der Erde (USA, Kanada, Mexiko, Japan, Australien, EU, Schweiz, Hawaii und Thailand). Ob die Verunreinigung durch kommerziellen Anbau, Versuchsanbau oder den Import keimfähiger Körner zur Lebensmittelproduktion verursacht wurde, ist oft nicht klar nachweisbar. Die Erforschung der Ursachen und Folgen der unkontrollierten Ausbreitung von Gentechnik-Pflanzen ist laut Herausgeber insgesamt ungenügend.

Erfolgt die Auskreuzung der Transgene auf Wildpflanzen, kann eine wichtige genetische Ressource für Zuchtziele wie Widerstandsfähigkeit gegen Klimawandel und Krankheiten verloren gehen. Auch wurde bei Ackerunkräutern beobachtet, dass sie nach der Einkreuzung von Herbizidtoleranzen einen sogenannten Fitnessvorteil entwickelt haben.

Neue Freisetzungen von Gentechnik-Pflanzen und -Tieren sind geplant und mit einer ungewollten Verbreitung ihrer Transgene in die Umwelt ist zu rechnen. Mit einem weiteren Verlust von genetischem Material ist vor allem bei den Gentechnik-Pflanzen zu rechnen, die in ihren Herkunftsgebieten eingeführt werden sollen, so wie Gentechnik-Auberginen in Indien und Gentechnik-Sorghum in Afrika.

Die Folgen sind Testbiotech zufolge nicht vorhersagbar. Es ist nicht abzuschätzen, wie sich diese Pflanzen und Tiere langfristig in der Umwelt verhalten und welche Auswirkungen sie auf die biologische Vielfalt haben werden. Christoph Then fordert daher von EU-Kommissar Tonio Borg, sich der globalen Auswirkungen dieser Technologie bewusst zu machen und sagt weiter: „Wir brauchen klare Bestimmungen, nach denen die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen verboten ist, wenn sie nicht mehr aus der Umwelt zurückgeholt werden können.“ [keh]