Nachricht

!! Unterstützung unserer Arbeit !!

Alle Informationen dieser Seite sind für Sie kostenlos. Zur Finanzierung unserer redaktionellen Arbeit sind wir jedoch auf Spenden angewiesen. Helfen Sie uns dabei, Sie weiterhin mit Gentechnik-Nachrichten zu versorgen.

So können Sie uns unterstützen

Baumwollfeld
Gentechnisch veränderte Baumwolle wird auf 75 % der Flächen angebaut, wirkt aber in vielen Ländern nicht gegen heimische Schädlinge oder Schädlinge werden zunehmend resistent. (Bild: sxc, Fernando Weberich)

Runder Tisch lobt Gentechnik-Baumwolle über den grünen Klee

25.10.2013

Der internationale Ausschuss für Baumwollberatung (International Cotton Advisory Committee/ICAC) hat einen runden Tisch zum Thema Gentechnik-Baumwolle ins Leben gerufen. Er soll den Erfahrungsaustausch zwischen den Anbauländern vereinfachen. Ein im September 2013 erschienener Bericht befasst sich mit Aspekten wie Kennzeichnung, rechtlichen Rahmenbedingungen und öffentlicher Wahrnehmung des Anbaus von transgener Baumwolle.

Grundlage bildet die Email-Diskussion der Teilnehmer des runden Tisches – den Repräsentanten der Anbauländer. Dabei geht es vor allem um die angeblichen Vorteile der gentechnisch veränderten Baumwolle, die ein Gift absondert, um Insekten zu töten: höhere Erträge, Verringerung des Pestizideinsatzes, weniger Bodenbearbeitung und ein besserer Schutz der Feldarbeiter. Den im Bericht beschriebenen Problemen, z.B. die Entwicklung von Resistenten bei den Insekten und das Auftreten neuer Schädlinge, soll nach Ansicht des runden Tischs mit noch mehr Gentechnik entgegengewirkt werden.

Zu den Anbauländern von Gentechnik-Baumwolle gehörten im Anbaujahr 2012/2013 dreizehn Länder: Argentinien, Australien, Birma, Brasilien, Burkina Faso, China, Costa Rica, Indien, Mexiko, Kolumbien, Pakistan, Paraguay, Süd-Afrika, Sudan und die USA. In vielen dieser Länder blieb der erhoffte Erfolg des Gentechnik-Baumwolle aus, wie auch aus dem wohlmeinenden Berichten des ICAC hervorgeht. In einigen Ländern wirkt das von der Gentechnik-Pflanze aufgrund eines eingebauten Bakteriengens selbst produzierte Gift nicht gegen die Hauptschädlinge vor Ort. In Brasilien und Kolumbien ist das beispielsweise der Baumwollkapselkäfer, in Pakistan das verbreitete Baumwollblattvirus. Anderswo, zum Beispiel in Indien und China, wurden die Primärschädlinge durch die Gentechnik-Baumwolle zwar zurückgedrängt. Dadurch konnten sich allerdings Sekundärschädlinge verbreiten, die nun mit Spritzmitteln bekämpft werden. Immer häufiger wird berichtet, dass die Ziel-Schädlinge gegen das Gift der Gentechnik-Pflanze Resistenzen entwickeln. Die Landwirte, die sich für Gentechnik-Baumwolle entschieden haben, kaufen deshalb oft noch Insektizide zu, zusätzlich zum ohnehin teureren Gentech-Saatgut.

Der ICAC sieht die Lösung in der Entwicklung weiterer Gentechnik-Pflanzen, die verschiedene Gifte absondern, um mehrere Schädlingsarten töten zu können. Gentechnik-Kritiker befürchten ein Wettrüsten auf dem Acker. Aus ihrer Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis Schädlinge auch gegen kombinierte Gifte resistent werden. Herkömmliche Methoden wie Fruchtfolgen, Zwischendünger oder Gründünger könnten weit effektiver und sinnvoller sein, werden vielerorts aber nicht mehr angewendet. Stattdessen wächst die Gentech-Baumwolle in Monokulturen. Dadurch wird das wichtigste Gut des Landwirts, der Boden, ausgelaugt.

Gentechnik-Pflanzen, die eines der Hauptprobleme im Baumwollanbau, den hohen Wasserbedarf, lösen sollen, stehen laut ICAC kurz vor der Marktreife. Die sogenannten trockentoleranten Baumwoll-Pflanzen sind bisher aber nicht genehmigt. Es gibt auch Zweifel daran, ob sie in der Praxis überhaupt Vorteile bieten. Manche Kritiker glauben deshalb, dass sie vor allem der Akzeptanzbeschaffung von Gentechnik in der Bevölkerung dienen sollen. Dabei gibt es lokal angepasste, nicht gentechnisch veränderte Sorten, die im Laufe von Jahrhunderten die komplexe Eigenschaft der Trockentoleranz entwickelt haben. Im Gegensatz zu den gentechnisch veränderten sind diese nicht patentrechtlich geschützt – teure Lizenzgebühren entfallen also. [keh]