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Bäume Forst
In Reih´ und Glied - Gentechnik-Bäume sollen der Biomasseproduktion dienen (Foto: Chris Lang / flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Das nächste Monsanto? Gentechnik-Firma setzt auf Bäume

09.10.2013

Noch liegen die Umsätze erst bei 25 Millionen US-Dollar. Doch schon 2017 könnten sie 500 Millionen betragen, hofft das US-Unternehmen ArborGen. Zumindest, wenn endlich mehr gentechnisch veränderte Bäume gepflanzt werden dürfen. Das ist nämlich die Spezialität der Firma, die sich als Weltmarktführer der Branche bezeichnet.

Während ArborGen darauft drängt, dass US-Behörden seine gentechnisch veränderten Eukalyptus-Bäume zur kommerziellen Nutzung zulassen, warnt das Center for Food Safety (CFS) davor, Gentechnik-Wälder als wirksames Mittel im Kampf gegen Entwaldung und Klimawandel zu betrachten. Die Umweltschutzorganisation hat gerade einen umfassenden Bericht zu transgenen Bäumen vorgelegt. Fazit: diese brächten viele Risiken für das Ökosystem Wald, aber keinen entscheidenden Nutzen. CFS fordert deswegen ein Moratorium auf Freisetzungen von genmodifizierten Bäumen.

Diese haben aber schon ein beträchtliches Ausmaß erreicht. In den USA hat ArborGen laut CFS schon mehr als 250.000 transgene Eukalyptus-Bäume gepflanzt, die Behörden haben das als Experiment genehmigt. Auch in Europa werden Gentechnik-Bäume, z.B. Pappeln, zu Versuchszwecken freigesetzt. Kommerziell angebaut werden dürfen laut CFS weltweit nur fünf Sorten: in den USA Papaya- und Pflaumenbäume, eine andere Papaya in China und zwei Pappelarten – ebenfalls im Reich der Mitte. Bei den Pflaumen hat sich die Nutzung der gentechnischen Varietäten noch nicht durchgesetzt, die virusresistenten Papaya werden in den USA nur auf der Insel Hawaii angebaut – dort haben sie allerdings die gentechnikfreie Papayaproduktion quasi unmöglich gemacht, wodurch die Exporte nach Asien eingebrochen seien, so CFS. Die größte Rolle spielen gentechnisch veränderte Pappeln in China: über eine Million der Bäume wuchsen dort schon 2003. Ähnlich wie vielen Maissorten von Gentechnik-Größen wie Monsanto oder Syngenta, wurde ihnen ein Bakteriengen eingebaut, wodurch sie ein Bt-Insektizid absondern.

CFS glaubt nicht an die Versprechen von ArborGen und anderen Herstellern gentechnisch veränderter Bäume. Oft wird die Zusammensetzung des Holzes geändert, um die Papierproduktion zu erleichtern oder mehr Biomasse für industrielle Zwecke zu erzeugen. Das sei im Interesse mancher Wirtschaftsunternehmen, so CFS. Angepriesene Vorteile für die Umwelt bzw. im Kampf gegen den Klimawandel kann die Organisation aber nicht erkennen. So seien die Gentechnik-Bäume, deren Lignin-Gehalt geändert wurde, oft schwächer und weniger widerstandsfähig als ihre natürlichen Artgenossen. Die Veränderung könne auch dazu führen, dass die Bäume weniger CO2 speichern können – eine wichtige Funktion der Wälder.

Außerdem steige die Chemikalienbelastung des Waldes, so CFS. So empfehle ArborGen, vor Pflanzungen von Gentech-Eukalyptus Herbizide zu sprühen, dann ausgiebig zu düngen und in den Folgejahren weiter Spritzmittel einzusetzen. Da die Plantagen zur Biomasse-Produktion dienten, würden sie schon nach drei Jahren abgeholzt – und der Chemikalienzyklus beginne von neuem. Herkömmliche Pinien, die ArborGen mit seinem Eukalyptus ersetzen will, werden laut CFS nur alle 25 Jahre gefällt. Und auch ein Nebeneinander von natürlichen und gentechnisch veränderten Bäumen schließt CFS aus: durch den Wind können Pollen und Samen der Bäume kilometerweit verbreitet werden. So könnten die Gentechnik-Eigenschaften auch auf andere Bäume übergehen. [dh]