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Foto: Mike McDermott / flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Lebensmittel-Industrie stemmt sich gegen Gentech-Kennzeichnung

09.10.2013

In wenigen Wochen findet im US-Bundesstaat Washington ein Volksentscheid über die Kennzeichnung von Gentechnik in Lebensmitteln statt. Die Kräfteverhältnisse zwischen Befürwortern und Gegnern werden immer ungleicher. Kürzlich hat der Spitzenverband der Lebensmittel-Industrie fünf Millionen Dollar investiert – um künftig nicht auf Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen in den eigenen Produkten hinweisen zu müssen.

Die Kampagne gegen die verpflichtende Kennzeichnung hatte – finanziell gesehen – ohnehin schon die Nase vorn. Mit dem Millionen-Beitrag der Grocery Manufacturers Association (GMA) liegt sie nun bei 17 Millionen Dollar. Ausgegeben hat sie laut dem offiziellen Lobbyregister des Bundesstaats erst 1,6 Millionen – der Rest wird wohl kurz vor der Abstimmung in Werbespots im Fernsehen, Radio und andere Maßnahmen investiert.

Zur GMA gehören neben großen Agrarkonzernen wie Monsanto, Bayer und Dow die dominierenden Lebensmittelunternehmen, darunter Nestlé, Unilever, Kraft, Pepsico, Coca-Cola und McDonald's. Die GMA spricht sich für einen „informierenden Dialog mit Verbrauchern“ aus, um diesen die „Sicherheit, Wichtigkeit und Vorteile der Gentechnologie“ zu erklären – gesetzliche Vorgaben lehnt sie ab. Die Mitgliedsunternehmen verwenden für ihre Fertiggerichte, Snacks oder Limonaden zum Beispiel genmodifizierten Mais oder Zucker aus Gentechnik-Rüben. Um das nicht auf der Verpackung angeben zu müssen, hat die Lobbyorganisation schon über sieben Millionen Dollar in den Kampf gegen verpflichtende Gentechnik-Kennzeichnungen in Washington gesteckt. Zweitgrößter Einzelgeber ist Monsanto. Der Hersteller von transgenem Saatgut und Pestiziden hat fast fünf Millionen Dollar bereitgestellt.

Die Befürworter der Kennzeichnung haben bislang fünf Millionen Dollar in ihrer Kampagnenkasse. Das Geld stammt sowohl von Großspendern wie dem Seifenhersteller Dr. Bronner's Magic Soaps als auch von Privatpersonen. Ein erfolgreicher Volksentscheid könnte Signalwirkung auf andere Bundesstaaten entfalten. In den USA gibt es bisher, anders als in der EU und vielen anderen Staaten, keine Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Pflanzenbestandteilen in Lebensmitteln. [dh]