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Mit und ohne Gentechnik - in der konventionellen Landwirtschaft werden häufig chemische Spritzmittel eingesetzt (vierdrie / freeimages)

EU: Bald Import von dicamba-resistenter Soja?

07.10.2013

Weil immer mehr Unkräuter resistent gegen das Spritzmittel Glyphosat werden, greift die Agrarindustrie auf ältere Chemikalien zurück. Eines davon heißt Dicamba. Es ist schon seit den 1960er Jahren auf dem Markt und wird unter anderem von BASF hergestellt. Zusammen mit dem US-Konzern Monsanto arbeitet das Unternehmen an der gentechnischen Entwicklung von dicamba-resistenten Sojapflanzen. Mit einer positiven Beurteilung hat die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA jetzt den Grundstein für künftige Importe als Viehfutter gelegt.

Monsanto hatte vor zwei Jahren beantragt, die dicamba-resistente Sojapflanze MON87708 in die EU importieren zu dürfen. Sie würde wohl in den USA und in Südamerika angebaut, in Europa dann in den Futtertrögen von Rindern und Schweinen landen. Aus Sicht der EFSA ist die Gentechnik-Soja „so sicher wie ihr konventionelles Pendant“. Dafür verließ sich die Behörde wie üblich auf die vom Antragsteller eingereichten Daten. Einige nationale Behörden äußerten sich skeptisch. Sie halten die Monsanto-Studien nicht für ausreichend, um die Sicherheit von MON87708 zu belegen. Das Unternehmen hatte beispielsweise Fütterungsstudien von 90 Tagen an Ratten und von 42 Tagen an Hühnern durchgeführt. Diese Tests hätten jedoch einige Schwächen, wandte das Bundesamt für Naturschutz ein. Auch Experten aus Frankreich, Italien, Österreich und den Niederlanden wiesen auf Schwachstellen hin und forderten weitere Daten.

Die EFSA gab der Monsanto-Soja trotzdem grünes Licht. Welche Auswirkungen das Herbizid Dicamba möglicherweise haben könnte, das beim Anbau auf die Pflanzen gesprüht wird, untersuchten die Mitglieder des Gentechnik-Gremiums gar nicht. Dafür sei die Pestizid-Abteilung der Behörde zuständig. Monsanto kann damit auf eine baldige Importzulassung hoffen. Meistens können sich die Regierungen der Mitgliedsstaaten nicht einigen, woraufhin die Entscheidung der EU-Kommission zufällt. Diese gilt als gentechnik-freundlich. Wie lange es dauert, bis bei einem flächendeckenden Anbau von dicamba-resistenten Pflanzen, beispielsweise in Brasilien und Argentinien, auch diese Chemikalie ihre Wirkung verliert, bleibt abzuwarten. Die Umweltorganisation Pesticide Action Network warnte jedenfalls schon in den Neunziger Jahren vor dem Spritzmittel: so habe eine Studie festgestellt, dass Dicamba das Risiko von bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems bei Landwirten verdoppelt. Bei heißen Temperaturen verflüchtigt sich das Gift und kann vom Wind kilometerweit verbreitet werden. [dh]