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Rumänien
Die rumänische Landwirtschaft ist kleinbäuerlich geprägt (Foto: Gavrila Stetco, CC BY-SA 3.0)

Rumänien will Gentechnik-Anbau in Naturschutzgebieten erlauben

18.07.2013

In Rumänien könnte der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Naturschutzgebieten erlaubt werden. Das Parlament verabschiedete einen Entwurf zur Änderung des Umweltgesetzes. Darin findet sich ein Artikel, der es erlauben würde, transgene Pflanzen in „Natura 2000“-Gebieten auszusäen. Solche Areale sollen eigentlich dem Schutz von Wildpflanzen und -tieren dienen. Die gentechnik-kritische Gruppe InfOGM vermutet dahinter wirtschaftliche Interessen ausländischer Investoren.

Rumänische Landwirte bauen derzeit nur in sehr geringem Umfang den Gentech-Mais MON810 an, der ein Insektengift freisetzt. In Naturschutzgebieten dürfen keine transgenen Pflanzen kultiviert werden. Darin soll das neue Gesetz auch nichts ändern – mit Ausnahme eben der Natura 2000 Gebiete, die in der ganzen EU zum Schutz gefährdeter Arten eingerichtet wurden. Nach Informationen der Plattform ARC2020 stehen über ein Fünftel der rumänischen Fläche unter Natura 2000 Schutz.

Über die Zulassung konkreter Anbauanträge wird laut dem Gesetz, das noch von Präsident Traian Basescu unterzeichnet werden muss, die Rumänische Wissenschaftsakademie befinden. Diese spricht sich jedoch offen für die Agro-Gentechnik aus, erklärte Ramona Duminicoiu von InfOGM, einer rumänischen Nichtregierungsorganisation. Sie kritisierte, der Gentechnik-Artikel sei erst im letzten Moment in den Gesetzentwurf eingefügt worden.

Duminicoiu glaubt, dass es die Gentechnik-Befürworter im Parlament vor allem auf die fruchtbare Donauregion abgesehen haben. Auch diese steht teilweise unter Natura 2000-Schutz. Die Nachfrage nach großen Flächen ist groß, ausländische Investoren kaufen dort Ackerland – Kritiker sprechen von „Landgrabbing“, kleinere Bauern würden so in den Ruin getrieben. Vor allem die Großinvestoren könnten ein Interesse am Gentechnik-Anbau haben, meint Duminicoiu. Sollte beispielsweise künftig eine transgene Sojapflanze eine EU-Genehmigung erhalten, könne sie dann an der Donau wachsen – mitten im Naturschutzgebiet. [dh]