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Afrika Kleinbauern
Sehr viele Afrikaner leben von der Landwirtschaft (Foto: World Bank / Scott Wallace, CC BY-NC-SA 2.0)

Nigeria will bald Gentechnik-Pflanzen nutzen

16.07.2013

Die nigerianische Regierung will den Anbau von Gentechnik-Pflanzen freigeben. Der Direktor der Biotechnologie-Behörde erklärte, das westafrikanische Land werde „bald“ mit dem Anbau in kommerziellem Umfang beginnen, 2015 könnten dann gentechnisch veränderte Lebensmittel auf den Markt kommen. Zuvor soll Präsident Goodluck Jonathan ein Gesetz zur Biosicherheit unterzeichnen. Afrikanische Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen warnen unterdessen vor den transgenen Pflanzen – sie dienten lediglich den Interessen globaler Agrarkonzerne.

Die Landwirte in Nigeria stünden der Agro-Gentechnik nicht länger skeptisch gegenüber, sondern hätten diese akzeptiert, behauptete Bamidele Solomon, der Direktor der Nationalen Behörde für Entwicklung der Biotechnologie (NABDA). Der Anbau der transgenen Pflanzen könne die Versorgung mit Nahrungsmitteln verbessern. Auch Solomons Dienstherr, der Minister für Wissenschaft und Technologie Ita Ewa, befürwortet die Öffnung des Landes für Gentechnik-Pflanzen. Bislang gibt es allerdings keine gesetzliche Regelung. Das Parlament hat zwar ein Biosicherheitsgesetz verabschiedet. Es wartet aber noch auf die Unterschrift des Präsidenten.

Trotzdem finden in Nigeria schon Feldversuche mit gentechnisch verändertem Maniok statt. Die Wurzelknolle ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel, Nigeria gehört zu den größten Maniokproduzenten weltweit. Die Öffentlichkeit sei über die Experimente nicht informiert worden, kritisiert Nnimmo Bassey von der Nichtregierungsorganisation „Health of Mother Earth Foundation“. Niemand wisse, ob die Gentech-Sorten nicht schon auf manchen Farmen wachsen und auch als Lebensmittel verkauft werden.

Bassey warnt davor, die nigerianische Landwirtschaft für Biotech-Pflanzen zu öffnen. Die angeblichen Vorteile, höhere Ernten oder Trockenheitsresistenzen, seien nichts anderes als „industrie-generierte Mythen“. Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Erträge der gentechnisch veränderten Sorten nicht höher seien als die der konventionellen. Tatsächlich werden derzeit weltweit vor allem zwei Arten von Gentech-Pflanzen angebaut: herbizid-resistente und insektizid-produzierende. Bassey fügt deshalb auch hinzu, der Anbau solcher Pflanzen führe zu Abhängigkeit von Chemikalien und immer größeren Industrie-Farmen – die Kleinbauern blieben auf der Strecke.

Doch eben diesen Weg will die nigerianische Regierung offenbar einschlagen. Im Juni wurde das Land Mitglied der „New Alliance for Food Security and Nutrition“, einer Initiative der Industrie-Staaten der G8 und privater Unternehmen. Sie will milliardenschwere Investitionen in die Landwirtschaft afrikanischer Staaten fördern. „Nigeria glaubt, dass die Landwirtschaft ein Geschäft ist und dass es die Aufgabe der Regierung ist, ein Umfeld zu schaffen, in dem der private Sektor erfolgreich sein kann“, erklärte Nigerias Agrarminister Akinwumi Adesina bei der letzten G8-Konferenz.

Bassey von der Health of Mother Earth Foundation sieht in der „New Alliance“ eher einen „Fuß in der Tür für die Biotech-Industrie“ und ihre Unternehmen wie Monsanto, Dow und Bayer. Damit steht er nicht alleine da. Auch Entwicklungsorganisationen kritisieren den Zusammenschluss westlicher Regierungen mit dem Agribusiness. „Die G8-Staaten dürfen nicht weiter Hunger- und Armutsbekämpfung instrumentalisieren, um die Wirtschaftsinteressen ihrer großen Agrar- und Ernährungskonzerne wie Cargill, Dreyfuss und Monsanto durchzusetzen“, forderte Jan Urhahn vom INKOTA-Netzwerk. Auch Brot für die Welt sieht das Vorhaben äußerst kritisch.

Selbst der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen (UN) für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, bezeichnete die G8-Pläne in einem Gastbeitrag für die ghanaische Zeitung The Independent als „besorgniserregend“. Die „New Alliance“ sei entstanden, ohne afrikanische Landwirte nach ihrer Meinung zu fragen. Nun sehe es so aus, als gehe es darum, die fruchtbaren Böden als Investitionsobjekte auf den Markt zu bringen. Unterdessen hat die Bill and Melinda Gates Foundation, die Stiftung des Microsoft-Gründers, angekündigt, in ein Biotechnologie-Labor in Nigeria zu investieren. Dort sollen gentechnisch veränderte Sojabohnen, Reis und Mais für das Land entwickelt werden. [dh]