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Mais YieldGuard Monsanto
Wie Geschütze: viele Gentechnik-Maissorten feuern permanent mit Gift gegen Insekten (Foto: Monsanto)

Zweite Abstimmung über Smartstax steht bevor

01.07.2013

Nächste Woche werden Vertreter aller EU-Staaten erneut über eine Importzulassung des transgenen „Smartstax“-Mais abstimmen. In der ersten Runde kam es zu einem Patt. Deutschland, das über mehr Stimmen verfügt als die meisten anderen Länder, hatte sich enthalten. Die US-Konzerne Monsanto und Dow Agrosciences haben die Maispflanze aus vier anderen Gentech-Varianten erzeugt – dadurch produziert sie mehrere Gifte, um Insekten zu töten, und kann mit zwei Unkrautbekämpfungsmitteln besprüht werden, ohne Schaden zu nehmen.

Bei der ersten Abstimmung vor drei Wochen kam keine ausreichende Mehrheit für oder gegen eine Zulassung von Smartstax als Futter- und Lebensmittel zustande. Wird auch im nächsten Anlauf keine Einigung erzielt, kann die EU-Kommission alleine entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass Verbraucherkommissar Tonio Borg dem Biotech-Mais, der von Kritikern als „Giftcocktail“ bezeichnet wird, dann grünes Licht gibt. Deutschland wird in dem Ausschuss von Beamten des Landwirtschaftsministeriums von Ilse Aigner (CSU) vertreten. Diese enthielten sich bei der letzten Tagung.

Die Organisation Testbiotech warnte im Dezember, dass Smartstax bereits seit drei Jahren illegal nach Europa gelangt sein könnte. In den USA wird er schon angebaut, wegen der laxen Überwachung dort ist jedoch nur schwer zu überblicken, wo und wie viel. Daher könnte Smartstax in den gleichen Frachtcontainern wie ältere Gentechnik-Mais-Sorten, die schon in die EU eingeführt werden dürfen, gelandet sein. Mit der jetzigen Zulassung wolle Brüssel diese rechtliche Unsicherheit beenden, glaubt Christoph Then von Testbiotech. „Da die US-Konzerne wollen, dass dieser Mais ohne Probleme in die EU importiert werden kann, bringt die EU-Kommission ihn zur Zulassung und redet die Risiken klein. Das ist ein Foulspiel gegenüber den Interessen der Verbraucher und geht auf Kosten der Sicherheit von Mensch und Umwelt.“

Neben Smartstax stehen noch weitere biotechnologische Mais-Sorten auf der Tagesordnung des EU-Ausschusses. Sie besitzen gleichfalls kombinierte Eigenschaften, also Herbizid- und Insektenresistenzen. Auch über den „Powercore“-Mais – ebenfalls von Monsanto und Dow – wird abgestimmt. Nach Informationen von Testbiotech hatte die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA, die alle Gentech-Organismen bewertet, bevor sie in der EU zugelassen werden dürfen, eine Studie zur Sicherheit von Powercore angezweifelt. Eine von den Unternehmen eingereichte Fütterungsstudie habe die Behörde als unwissenschaftlich zurückgewiesen – um sich danach trotzdem für die Zulassung des Gentech-Mais auszusprechen. [dh]