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Monsanto vertreibt nicht nur Gentechnik, sondern auch chemische Spritzmittel (Foto: Uwe Steinbrich / pixelio.de)

Neue Gentech-Pflanzen: Monsanto und Dow müssen warten

13.05.2013

Für die Agrochemie-Riesen Monsanto und Dow Agrosciences ist es eine ungewohnte Situation: Sie müssen in den USA länger als üblich auf eine Zulassung neuer Gentechnik-Pflanzen warten. Die zuständige Behörde will nun doch eine Umweltverträglichkeitsprüfung machen. Zuvor hatten Hunderttausende Bürger einen Stopp der Zulassungen gefordert. Die fraglichen Pflanzen sind gegen besonders aggressive Chemikalien resistent.

Ursprünglich wollten die beiden Gentechnik-Konzerne ihre neuen Mais- und Soja-Pflanzen spätestens 2014 auf den Markt bringen. Nun erwarten sie Medienberichten zufolge eine Verzögerung bis 2015. Der Grund: die Tier- und Pflanzenschutzbehörde (APHIS) des Landwirtschaftsministeriums hatte am Freitag angekündigt, die Umweltauswirkungen der gentechnisch veränderten Pflanzen unter die Lupe nehmen zu wollen. Zuvor werde es noch eine 60-tägige Kommentarphase für die Öffentlichkeit geben, so die APHIS-Beamten in einer Pressemitteilung.

Mit solchen Kommentaren hatten US-Bürger zuletzt großen Druck auf die Behörde ausgeübt. Vor allem Dows Pflanzen waren dabei massiv in die Kritik geraten. Sie sind gegen das chemische Spritzmittel 2,4-D resistent – ein Bestandteil des Entlaubungsmittels „Agent Orange“, das im Vietnam-Krieg zu trauriger Berühmtheit kam. Auch die neue Soja und Baumwolle von Monsanto sind umstritten. Sie können wegen der gentechnischen Veränderung mit dem Herbizid Dicamba besprüht werden. Beide Spritzmittel gelten als hochgiftig. Dass die Gentechnik-Hersteller sie nun wieder stärker nutzen wollen, liegt daran, dass Unkräuter sich vielerorts an die Dauergiftbelastung mit Glyphosat angepasst haben. Viele transgene Pflanzen sind gegen die Nummer eins der Herbizide resistent, herkömmliche Maßnahmen wie Fruchtfolgen werden oft nicht mehr eingehalten – stattdessen wird immer mehr Gift gespritzt.

Die Behörde habe keine andere Wahl gehabt, als die Umweltauswirkungen der neuen Pflanzen zu überprüfen, meinen Vertreter der Organisation Center for Food Safety. Diese hatte schon einmal vor Gericht Erfolg gehabt: ein Richter kassierte damals die Zulassungen von transgenen Zuckerrüben und Luzernen, weil APHIS die Risiken nicht ausreichend berücksichtigt hatte. Das Center for Food Safety begrüßte die aktuelle Entscheidung. Die Gentechnik-Lobbyorganisation Biotechnology Industry Organization (BIO) gab sich hingegen enttäuscht. Das Zulassungssystem lege den Konzernen zu viele Steine in den Weg, beklagte Vizepräsidentin Cathleen Enright. Dabei bekamen die Firmen erst im März ein willkommenes Geschenk: der Kongress nahm US-Richtern vorübergehend die Möglichkeit, die Entscheidungen der Zulassungsbehörden juristisch zu überprüfen. [dh]