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Sojaanbau in Paraguay
Für den Gentechnikanbau in Monokulturen sind immer stärkere Herbizide nötig (Foto: Fian)

20 Jahre Gentechnik-Anbau: Experte zieht vernichtende Bilanz

01.02.2013

Nach fast 20 Jahren kommerziellem Gentechnik-Anbau in den USA hat Christoph Then Bilanz gezogen – und die fällt vernichtend aus. Im Auftrag des Europaabgeordneten Martin Häusling (Grüne) wertete der Biotechnologie-Experte offizielle Zahlen und frei zugängliche Daten aus. Das Ergebnis: Während die Landwirte wegen der gentechnisch veränderten Pflanzen mit giftresistenten Unkräutern und Schädlingen zu kämpfen haben, fahren Agrochemieunternehmen Milliardengewinne ein. Die biologische Vielfalt nehme ab, in manchen Regionen des Gentechnik-Mutterlandes sei gentechnikfreier oder gar ökologischer Landbau nicht mehr möglich.

Anfangs klangen die Werbesprüche der Gentechnik-Hersteller für amerikanische Bauern vielversprechend. Weniger Pestizide, weniger Kosten, weniger Arbeit – alles dank der speziell an ein Spritzmittel angepassten Pflanzen. Mühsame Unkrautbekämpfung oder das Einhalten von Fruchtfolgen schienen unnötig, denn auf den riesigen Mais-, Soja- und Baumwoll-Plantagen reichte es, das von den Firmen gleich mitgelieferte Gift, meist Glyphosat, auszubringen – die Gentechnik-Pflanzen hielten das aus, die Schädlinge nicht. Doch mittlerweile haben sich Letztere angepasst – mit schwerwiegenden Folgen für die Bauern. Sie müssen immer mehr Spritzmittel einsetzen und teilweise das Unkraut sogar wieder von Hand beseitigen.

Die Industrie versucht, mit immer neuen High-Tech-Pflanzen gegenzusteuern. Monsanto und Dow brachten beispielsweise den „SmartStax“-Mais auf den US-Markt, der gegen zwei chemische Spritzmittel resistent ist und selbst einen ganzen Giftcocktail von sechs Insektiziden freisetzt. Genaue Daten zu dessen Verbreitung gebe es nicht, so Then. Laut den Herstellern werde er aber bereits großflächig angebaut. Im vergangenen Dezember hatte Then gewarnt, „SmartStax“ sei wegen der mangelnden Kontrollmöglichkeiten mit großer Wahrscheinlichkeit auch nach Europa gelangt. Für Martin Häusling ist die Entwicklung in den USA ein Negativbeispiel, dem die EU nicht folgen dürfe: „Es ist absehbar, dass dieser Wettlauf gegen die Natur vom Menschen mit diesen Methoden der Gentechnik nicht gewonnen werden kann.“

Der erhöhte Pestizidverbrauch belastet der Studie zufolge nicht nur Pflanzen und Böden, sondern auch die biologische Vielfalt. Bei manchen nützlichen Insekten, bestimmten Schmetterlingen beispielsweise, sei die Population um die Hälfte zurückgegangen. Die meisten Experten seien sich einig, dass der Gentechnik-Anbau und der einhergehende Gifteinsatz dafür verantwortlich ist, so Then. Gleichzeitig sind Firmen wie Monsanto zu dominanten Größen des Agrargeschäfts aufgestiegen.

Und das nicht nur bei transgenen Pflanzen und Spritzmitteln: allein Monsanto kontrolliere heute über ein Viertel des weltweiten Markts für herkömmliches Saatgut. In den USA hat das für manche Landwirte schon sehr unangenehme Folgen, wie Häusling erläutert: „Patentverstöße werden in den USA radikal von Detektiven verfolgt und die Wiederaussaat, der so genannte Nachbau, kommt praktisch nicht mehr vor.“ Auch in Europa hat der US-Konzern viele Hersteller aufgekauft. Bei konventionellem Gemüse gehören ihm laut Studie beispielsweise 49 Prozent des Blumenkohl- und 36 Prozent des Tomatensaatguts. [dh]