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Anne Glover
Die oberste Wissenschaftsberaterin der EU, Anne Glover (Foto: European Parliament Audiovisual Service)

Wissenschaftliche Beraterin der EU „würde Gentechnik essen“

22.11.2012

Die oberste Wissenschaftsberaterin der EU-Kommission, Anne Glover, hat erneut ein Interview gegeben, in dem sie für die Agro-Gentechnik wirbt. Sie sei vom Nutzen der Technologie überzeugt, sagte die Schottin, die in wissenschaftlichen Fragen die erste Ansprechpartnerin von Kommissionspräsident Manuel Barroso ist. Für ähnliche Äußerungen wurde Glover bereits im Juli scharf kritisiert.

Im Gespräch mit der österreichischen Zeitung „Der Standard“ erklärte die Kommissionsberaterin: „Die wissenschaftlichen Fakten sprechen für grüne Gentechnik und zeigen ihr enormes Potenzial. Zugleich sind so viele Menschen dagegen. Ich will verstehen, warum das so ist.“ Sie fürchte um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Forschung, wenn die ablehnende Haltung der Bevölkerung sich nicht ändere.

Anne Glover teilt die Sorge der meisten europäischen Bürger nicht. Auf die Frage, ob sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen würde, antwortete sie: „Ich würde sie essen, wenn sie in Europa zugelassen wären. Wissenschaftlich betrachtet gibt es keinen Grund, warum sie weniger gesund sein sollten.“ Das könnte sie leicht unter Beweis stellen: Anders als ihre Aussage vermuten lässt, sind Gentechnik-Zutaten in Lebensmittel in der EU nicht verboten. Sie werden lediglich kaum verwendet, weil entsprechend gekennzeichneten Produkte Ladenhüter sind. Das musste beispielsweise der Konzern Nestlé feststellen: wegen mangelnder Nachfrage nahm er 1999 seinen Schokoriegel „Butterfinger“ mit Gentech-Mais vom europäischen Markt. Auf den Verpackungen von Importprodukten kann man das kleingedruckte „genetisch verändert“ aber durchaus finden. Tierische Erzeugnisse wie Milch oder Eier müssen außerdem gar nicht gekennzeichnet werden, obwohl die meisten Futtermischungen Schrot aus Gentechnik-Soja enthalten.

Die Argumente der Hersteller gentechnisch veränderter Pflanzen scheinen Glover zu überzeugen. Diese Pflanzen könnten „die Ernährung der Weltbevölkerung sicherstellen, den Gebrauch von giftigen Spritzmitteln verringern oder einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung des Klimawandel leisten, da weniger Dünger verwendet werden muss“, sagte die Biologin dem „Standard“. „Ich finde, dass wir über diese Dinge viel zu wenig diskutieren, und das macht mich sehr traurig.“ Die Kritiker der Agro-Gentechnik, darunter viele Wissenschaftler, sehen das ganz anders: Sie führen an, dass sich keines der vollmundigen Versprechen der Industrie bewahrheitet hat. Stattdessen steigt der Pestizideinsatz auf Gentechnik-Feldern, wie erst vor kurzem eine US-amerikanische Studie belegte.

Glover hatte erst im Sommer in einem Interview erklärt, der Verzehr gentechnisch veränderter Organismen sei genauso sicher wie konventionelle Lebensmittel. Dafür wurde sie beispielsweise von der liberalen EU-Abgeordneten Corinne Lepage heftig kritisiert.