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Mais
Die Verfahren zur Risikoprüfung und Zulassung von Gentech-Pflanzen in der EU sind sehr umstritten

Frankreich will bessere Kontrollen von Gentechnik-Risiken

23.10.2012

Die französische Regierung wird sich auf EU-Ebene für eine Neuausrichtung der Risikoprüfung und des Zulassungsverfahrens von gentechnisch veränderten Pflanzen einsetzen. Dies teilte Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll gestern mit. Außerdem plädierte er für gemeinsame wissenschaftliche Kriterien für Langzeitstudien an Gentechnik-Organismen. Ähnlich äußerte sich Bundesagrarministerin Ilse Aigner bei einem Treffen mit ihren europäischen Kollegen.

Le Foll erklärte, die Regierung werde in den EU-Institutionen auf „ein Wiederaufrollen der europäischen Instrumente der Bewertung, Zulassung und Kontrolle von GVO und Pestiziden“ zu drängen. Damit reagiert Frankreich auf die Kontroverse um eine Studie zu den Risiken von Monsanto-Mais. Die wissenschaftlichen Behörden des Landes hatten gestern zwar ihre Einschätzung abgegeben, wonach die Daten der Studie nicht ausreichend seien, um den Zusammenhang zwischen deutlich erhöhten Krebsraten bei Ratten und dem Verzehr der Maissorte NK 603 einwandfrei zu belegen. Aus Sicht der Regierung bestehen aber offenbar dennoch Zweifel an der Sicherheit von Gentechnik-Pflanzen – und auch an der bisherigen Risikoprüfung durch die häufig kritisierte EU-Lebensmittelbehörde EFSA.

Die bereits erteilten Zulassungen will der französische Minister Le Foll nicht antasten. Doch für die Zukunft müssten die momentanen Prüfverfahren überholt werden. Dazu seien auch für die gesamte EU gültige Kriterien für Langzeitstudien nötig. Dies hatte auch die für die Sicherheit zuständige Behörde Anses in ihrem Bericht gefordert. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ließ gestern über einen Sprecher mitteilen, dass sie ebenfalls für gemeinsame Bedingungen eintrete: „Ebenso wie ihr französischer Kollege sieht auch Frau Aigner die Notwendigkeit einheitlicher Standards bei solchen Gutachten. Wie solche Standards im Einzelnen aussehen könnten, ist Gegenstand laufender Prüfungen auf Arbeitsebene unserer beiden Häuser, deshalb kann ich derzeit leider noch keine weiteren Details nennen“, erklärte ihr Mitarbeiter.

Unterdessen bestätige Le Foll das französische Anbauverbot des Gentechnik-Maises MON 810. Der Mais des Monsanto-Konzerns ist neben der „Amflora“-Kartoffel zurzeit der einzige, der in der EU kommerziell angebaut werden darf. Einige Länder, darunter auch Deutschland, haben individuelle Verbote ausgesprochen. Allerdings wird wohl 2013 über die Verlängerung der EU-Zulassung von MON 810 entschieden. Sollte diese gewährt werden, könnten auch die nationalen Verbote ins Wanken geraten.