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EFSA Geslain-Lanéelle GMO Free Europe 2012
Rücktrittforderungen: EFSA-Chefin Geslain-Lanéelle auf der GMO-Free Europe Conference 2012 (Foto: Volker Gehrmann)

Europaabgeordnete fordert Rücktritt der EFSA-Chefin

09.10.2012

Wegen des Umgangs der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA mit der französischen Langzeitstudie zu Krebserkrankungen durch Gentechnik-Mais hat die liberale EU-Abgeordnete Corinne Lepage den Rücktritt der Behördenchefin, Catherine Geslain-Lanéelle, gefordert. Lepage nannte es eine „Absurdität“ und einen „ethischen Konflikt“, dass ein Experte des Gentechnik-Gremiums der EFSA, der 2003 an der Risikoprüfung des umstrittenen Monsanto-Maises NK603 beteiligt war, auch die Bewertung der aktuellen Studie zu eben jenem Mais absegnete. Außerdem habe die EFSA lediglich die Argumente anderer Kritiker der Studie, die schon in vielen Medien zitiert wurden, kopiert.

„Die vorläufige Bewertung der EFSA hat mich verblüfft, weil sie wortwörtlich die Kritikpunkte und Angriffe von Gegnern der Studie enthält“, erklärt Lepage in einem Kommentar für das französische Internetmedium Le Plus. „Und das ohne zu berücksichtigen, dass die Bewertungen der EFSA selbst erwiesenermaßen auf wesentlich weniger anspruchsvollen Kriterien basiert als die Studie.“

Die europäische Behörde hatte zuvor, wie auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), mitgeteilt, sie halte den Gentechnik-Mais NK603 weiterhin für sicher. Wie einige in zahlreichen Medien wiedergegebene Wissenschaftler, kritisierte die EFSA dabei, die Untersuchung der Universität Caen sei nicht nach den gängigen Standards verlaufen. So wurde zum Beispiel bemängelt, dass die von den Forschern um Gilles-Eric Séralini verwendeten Ratten ohnehin zur Tumorbildung neigen. Allerdings ist es die gleiche Art, die auch die Gentechnik-Industrie für ihre Versuche nutzt – und so die Zulassung ihrer Pflanzen erreicht. Für Lepage dient die Abwertung der Studie durch die EFSA daher vor allem dem Selbstschutz der Behörde: „Die Tauglichkeit der Studie anzuerkennen wäre für die Agentur wie an dem Ast zu sägen, auf dem sie seit Jahren sitzt, weil alle ihre Bewertungen von GVO [gentechnisch veränderten Organismen, Anm. d. Red.] positiv waren.“

Insbesondere kritisierte die Europaabgeordnete, dass die EFSA sich wie „Richter und Jury“ zugleich verhalte. Damit bezog sich Lepage auf die Doppelfunktion des britischen Experten Andrew Chesson. Er hatte 2003 für die EFSA die Risikobewertung des Maises NK603 vorgenommen. Nun fungierte er als Peer-Reviewer, also als Kontrolleur des Behördenpapiers zur französischen Ratten-Studie mit demselben Mais. Urteil der EFSA: Kein Grund zur erneuten Prüfung des Lebensmittels.