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Mittelalter Landwirtschaft Armut
Gentechnikbefürworter sehen Italiens Landwirtschaft im "zweiten Mittelalter" (Foto: Bärbel Schulz / Pixelio)

Italien: Gentechnikbefürworter fürchten „zweites Mittelalter“

25.07.2012

In einem Brief an Staatspräsident Napolitano und Ministerpräsident Monti haben 200 Personen eine gentechnikfreundlichere Politik der italienischen Regierung eingefordert. Die Unterzeichner der Bittschrift wähnen das Land aufgrund der aus ihrer Sicht zu restriktiven Haltung gegenüber der Agro-Gentechnik in einem „zweiten Mittelalter“. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, dürfe die Technologie nicht länger „ignoriert“ werden.

Dabei berufen sich die Unterzeichner des Briefs auf die angeblich wohlwollende Haltung der italienischen Bevölkerung: 59 Prozent wünschten sich mehr Forschung an genetisch veränderten Organismen. Allerdings stammen diese Zahlen aus einer Umfrage des Wissenschaftszentrums Observa von 2004. Ihre Erhebung ist also acht Jahre und einige Gentech-Skandale her. Außerdem bezog sich die Frage auf Biotechnologie im Allgemeinen, mit dem Zusatz „OGM“ (ital. für GVO, gentechnisch veränderter Organismus) in einer Klammer. Im Jahr 2008 wurde die Befragung wiederholt: Nun befürworteten nur noch 45 Prozent eine weitere Erforschung der Gentechnik, während der Anteil der Unentschiedenen fast um das vierfache gestiegen war. In dem aktuellen Appell an die Regierung findet sich jedoch nur die veraltete Angabe.

Einer Eurobarometer-Untersuchung des Jahres 2005 zufolge unterstützten in dieser Zeit nur 34 Prozent der Italiener die Herstellung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Und in der jüngsten Erhebung von 2010 befürworteten nur 22 Prozent der Befragten in Italien die Förderung von Gentech-Nahrung.

Doch auch sonst nahmen es die Initiatoren des Briefs anscheinend nicht so genau. Um die wohlklingende Zahl von 200 unterzeichnenden „Landwirten und Wissenschaftlern“ zu erreichen, durften auch Studenten, „Staatsbürger“ („cittadino“), eine „Hausfrau“ („casalinga“) oder der „Sohn eines Landwirts“ ihren Namen darunter setzen. Ob sie genau so viel vom Thema verstehen wie der selbstständige Berater („Consulente“) und ehemalige PR-Chef von Monsanto Italien, Edoardo Ferri, der ebenfalls unterschrieb, ist nicht bekannt.