Synthetische Biologie

Künstliches Leben produzieren?

Die Synthetische Biologie verfolgt die Idee, künstliches Leben neu zu erschaffen, um es industriell zu nutzen. Dabei werden ähnliche Methoden wie bei der Gentechnik verwendet. Die Synthetische Biologie könnte sowohl für die Medizin als auch für die Landwirtschaft, die Chemie oder die Energieerzeugung genutzt werden. Eine gesellschaftliche Debatte wird darüber so gut wie gar nicht geführt, bemängeln kritische Wissenschaftler. Gesetzliche Regelungen oder Kontrollen gibt es bisher nicht.

Experten des Vereins Testbiotech beschreiben die Synthetische Biologie als eine extreme Zuspitzung der Gentechnik. Den Paradigmenwechsel kann man anhand folgender Grafik nachvollziehen:

Paradigmenwechsel der Synthetischen Biologie (Quelle: van Est et al. Constructing Life – The world of Synthetic Biology. Rathenau Instituut, The Hague, 2007)
Paradigmenwechsel der Synthetischen Biologie (Quelle: van Est et al. Constructing Life – The world of Synthetic Biology. Rathenau Instituut, The Hague, 2007)

Wie funktioniert synthetische Biologie?

Die Synthetischen Biologie möchte neues genetisches Material mit gewünschten Eigenschaften erschaffen. Aber auch bereits existierende Gene sollen nachgebaut und so leichter verfügbar gemacht werden.

Es gibt verschiedene Verfahren der Synthetischen Biologie:

Beim Bottom-up-Verfahren werden Erbgutabschnitte künstlich hergestellt. Dabei wird z. B. natürlich vorkommendes Erbgut komplett kopiert. So wurden Viren bereits im Labor hergestellt. Forscher erhoffen sich, in Zukunft auch komplexe Lebewesen zu produzieren.

Beim Top-Down-Verfahren werden biologische Organismen soweit reduziert, dass nur noch ein funktionales Gerüst von ihnen übrig bleibt. Es soll mit definierten Funktionen ausgestattet werden, wodurch ein neuer Organismus geschaffen wird.

Kritik an der Synthetischen Biologie

etcgroup.org, Art: Stig
etcgroup.org, Art: Stig

Die Synthetische Biologie wirft viele ethische Fragen auf, eine öffentliche gesellschaftliche Debatte fehlt jedoch bisher. Dabei geht es bei dem Vorhaben, Leben neu zu schaffen um ganz grundlegende Fragen. Was ist Leben überhaupt? Können Menschen Leben erschaffen? Kritiker merken an, dass Leben nicht nur das ist, was im Labor beschrieben werden kann, sondern dass Leben Entwicklung bedeutet, die nicht berechenbar und kontrollierbar ist. "Lebende Maschinen", von denen in diesem Zusammenhang gern gesprochen wird, sind demnach ein Widerspruch an sich. Wenn Menschen zukünftig bestimmen, wie Leben aussieht, ist das besser, als es der Natur zu überlassen?

Eine Gefahr der Synthetischen Biologie liegt ähnlich wie bei der Anwendung der Agro-Gentechnik darin, dass wir nicht wissen, wie sich Lebewesen aus künstlichen Genomen in der Natur verhalten. Gleichzeitig ist es schwierig, sie von natürlichen Lebewesen zu unterscheiden oder sie zu kontrollieren.

Sicher ist, dass es bei der Synthetischen Biologie darum geht, Leben verwertbar, patentierbar zu machen. Der zweite Bericht des Vereins Testbiotech ("Die Erzeugung und Nutzung von Biokraftstoffen der zweiten Generation", siehe rechte Spalte) beschreibt, wie sich Öl- und Chemie-Konzerne erhebliche Einnahmen durch die Nutzung synthetischer Organismen versprechen. Die Energieausbeute von Rohstoffen soll mit künstlich hergestellten Mikroorganismen optimiert werden. Der Klimaschutz wird dabei als Grund für den Einsatz von sogenannten Synthie-Fuels herangezogen. Der ökologische Nutzen ist dabei jedoch sehr fraglich. Im Gegenteil, durch die unkontrollierte Verbreitung von künstlichen Organismen drohen ökologischen Gefahren. Auch die Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen, die zur Herstellung von Rohstoffen benötigt werden, würde steigen. Trotzdem werden diverse Projekte im Bereich der Synthetischen Biologie bereits mit EU-Geldern gefördert (ebd., S. 25).

Der Verein Testbiotech fordert deshalb gesetzliche Kontrollen und Regularien für die Arbeit mit der Synthetischen Biologie, die es bisher nicht gibt. Die weitere Entwicklung und Anwendung der Synthetischen Biologie, vor allem von staatlichen Geldern unterstützt, müsse solange gestoppt werden.

 Aufruf zum Schutz der Umwelt vor Synthetischen Organismen

Newsletter bestellen

Kleine Anfrage der SPD

Kleine Anfrage der SPD-Fraktion zum Stand und Perspektiven der Synthetischen Biologie
 Antwort des BMBF, 18.03.11

Petition unterschreiben!

Unterzeichnen Sie den Aufruf von Testbiotech zum Schutz der Umwelt vor Synthetischen Organismen:
 Testbiotech: Aufruf

GID-Spezial

Die Spezial-Ausgabe des Gen-ethischen Informationsdienstes zum Thema Sythetische Biologie finden Sie hier:
 GID Spezial Nr. 10, Dezember 2010

Synthetische Biologie
Gerd das Gen auf facebook Infodienst Gentechnik auf twitter