Dossier

Änderung des EU-Gentechnikrechts

März 2012 - Am 9. März wurde im EU-Umweltministerrat der Vorschlag zum neuen EU-Gentechnik-Recht der dänischen Ratspräsidentschaft nicht angenommen. Nach dem im Februar vorgelegten Vorschlag sollen sich Gentechnik-Saatgut-Produzenten wie Monsanto direkt mit den Mitgliedsstaaten über ein Anbau-Verbot im jeweiligen Land einigen können. Die Mitgliedsaaten sollen dafür aber einheitlich für die Zulassung der neuen Anträge stimmen. Eine Verbesserung des Zulassungsverfahrens ist im Gegensatz zum Entwurf des Parlaments nicht enthalten. Das Parlament hatte am 5. Juli 2011 einen Vorschlag eingebracht, der den EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit eines rechtsicheren und umfassenden Verbots gentechnisch veränderter Pflanzen einräumt. Der sogenannte Lepage-Bericht stellte eine deutliche Verbesserung zum ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission von 2010 zur Änderungen des Gentechnikrechts dar, der deutliche Mängel aufwies und von vielen Seiten kritisiert wurde.

Lesen Sie hier, was bisher geschah...

 1. Etappe: Vorschlag der Kommission

 2. Etappe: Lepage-Bericht

 3. Etappe: Abstimmung im Parlament

 4. Etappe: Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft

1. Etappe: Vorschlag der Kommission

Im Juli 2010 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 2001/18/EG vor. Den Mitgliedstaaten soll die Möglichkeit eingeräumte werden, den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf ihrem Hoheitsgebiet zu beschränken oder zu untersagen. Bio- und Umweltverbände, die Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament sowie die Linkspartei kritisieren diesen Vorschlag. Das nationale Anbauverbot soll mit einer Beschleunigung des Zulassungsverfahrens von GVOs einher gehen. Die Kontaminationsgefahr durch angrenzende Mitgliedsaaten bleibt weiterhin bestehen. Vor allem birgt der Vorschlag keinen rechtssicheren Rahmen und könnte zu Anfechtungsklagen der Gentechnikindustrie gegen die Mitgliedsaaten führen. Bemängelt wird auch, dass die Kommission noch immer nicht der Forderung des Rates aus dem Jahr 2008 nachgekommen ist, das Zulassungsverfahren und die Risikoabschätzung durch die EFSA zu verbessern.

Presseerklärungen

2. Etappe: Lepage-Bericht

Im April 2011 legt der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments einen Bericht vor, indem er sich für eine Gentechnik-Verbots-Regelungen auf Ebene der Mitgliedsaaten ausspricht. Allerdings soll ein nationales Gentechnik-Verbot auch auf Grund zu befürchtender Umweltrisiken oder eventueller ungewollter Auskreuzungen möglich sein. Ferner mahnt er die Kommission an, den Forderungen des Rates von 2008 hinsichtlich der EFSA nachzukommen. Im Gegensatz zur Gentechnik-Lobby begrüßen Bio- und Umweltverbände den sogenannten Lepage-Bericht des EP-Umweltausschusses und fordern die Abgeordneten des EU-Parlaments auf, in ihrer 1. Lesung im Juli 2011 für den Vorschlag mit seinen Änderungsvorschlägen zu stimmen. 70.000 Bürger beteiligen sich an Brief und Email-Aktionen. Eine Petition des Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft fordert die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für ein nationales Verbot einzusetzen. Mit über 100.000 Unterzeichnern ein klares Signal gegen die Gentechnik aus der Bevölkerung.

Dokumente

3. Etappe: Abstimmung im Parlament

Am 5. Juli 2011 stimmt das Europäische Parlament in seiner 1. Lesung mit großer Mehrheit für eine rechtssichere und umfassende Regelung für ein Verbot des Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen durch einzelne Mitgliedsstaaten der EU. Die Europaabgeordneten haben wesentliche Änderungsvorschläge zum ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission angenommen und die Verbotsgründe auf Umweltrisiken, wissenschaftliche Unsicherheiten sowie volkswirtschaftliche Schäden ausgeweitet. Der Entwurf fordert die Kommission auf, den einstimmig gefällten Beschluss des Umweltministerrats vom Dezember 2008 umzusetzen, die Mängel der bisherigen EU-Zulassungsverfahren zu beheben sowie verbindliche Haftungs- und Koexistenzregeln einzuführen. Ein großer Erfolg für die gentechnikkritische Bewegung. Über 66.000 Bürgerinnen und Bürger hatten mit einer Protest-Aktion an die Europaabgeordneten appelliert, dem Lepage-Bericht ohne Abstriche zuzustimmen.

4. Etappe: Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft

09.03.12 – Der Kompromissvorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft zur Regelung der nationalen Gentechnik-Anbauverbote hat beim Umwelt-Ministerrat nicht die notwendige Mehrheit erlangt. Der Rechtsakt wird daher nicht verabschiedet. Es kommt nun zu einer zweiten Lesung im Parlament, eventuell zu einer zweiten Lesung im Rat oder gar zur Einberufung des Vermittlungsausschusses. Die dänische Ratspräsidentschaft legte Anfang Februar ein Kompromisspapier zur Regelung der nationalen Gentechnik-Anbauverbote vor. Das Papier schlägt Absprachen zwischen den Antragstellern und einzelnen Mitgliedsstaaten über ein regionales Anbauverbot vor, die vor der Zulassung durch die Kommission und spätestens 30 Tage nach der EFSA-Bewertung getroffen werden sollen. Besondere Gründe müssten nicht angegeben werden. Die Einigung über ein regionales Verbot soll Bestandteil der EU-weiten Zulassung sein. Die Möglichkeit, ein Verbot aus sozioökonomischen oder Umweltschutz-Gründen auch nach der EU-Zulassung zu erlassen, soll nach wie vor gegeben sein.

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EU-Rat

Debatte im Umwelt-Ministerrat über den Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft zu nationalen GVO-Anbauverboten:
 Council of the European Union

Ein krummer Deal

Die Gentechnik-Expertin vom BUND, Heike Moldenhauer, erklärt die Tücken des Kommissions-Vorschlags.
 DNR

Dalli-Rede

Auf der Konferenz Gentechnikfreies Europa 2010 im Europäischen Parlament in Brüssel hat EU-Kommissar John Dalli die Vorschläge der Kommission gegenüber den gentechnikkritischen Bewegung verteidigt:
 Video-Stream and Speaking note Commissioner John Dalli

Interview mit Florianne Koechlin

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 WOZ

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