
26. Juni 2006 - „Koexistenz ist möglich“, so heißt es immer wieder. Doch wie eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Zukunft sicher gestellt werden kann, lassen die Befürworter der Agro-Gentechnik bewusst offen.
Schon beim Anbau ist unklar, wie verhindert werden soll, dass die Felder in der Nachbarschaft von Äckern mit gentechnisch veränderten Pflanzen kontaminiert werden. Die Debatten um Abstandsvorgaben oder um die Bienen, die sich nicht an Feldgrenzen halten, sind Beispiele dafür, wie komplex die Natur ist.
Ein ganzer Bereich ist bisher noch nicht beachtet worden, wenn es um Koexistenz geht: Was passiert in den Maschinen, die vor, während und nach dem Anbau überbetrieblich zum Einsatz kommen, also auf Feldern mit und auf Feldern ohne Gentechnik:
Sämaschine, Mähdrescher, Häcksler, Anhänger, Pflanzenschutz-Spritzen...? Wie groß ist das Risiko, dass es dabei zu Verschleppungen kommt, wie hoch ist der Aufwand, um Verschleppungen zu verhindern oder mindestens zu minimieren?
In ihrer aktuellen Studien „Koexistenz im landwirtschaftlichen Alltag“ untersucht die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft die bislang unbeachteten Quellen der Verunreinigung:
Über Dienstleister wie Maschinenringe und Lohnunternehmer, können Bauern auch schlagkräftige Landmaschinen für Aussaat, Pflege und Ernte einsetzen. Doch genau hierin liegt eine Quelle für eine gentechnische Kontamination der Ernten. „Die Kosten für eine angemessene Reinigung einer Erntemaschine übersteigen die bisherigen Erntekosten um das Zehnfache, selbst wenn nur dem Standard aus den gentechnikfreundlichen USA gefolgt wird“, erklärt Mute Schimpf, Autorin der Studie.
Die Befragung zeigt, dass im Bereich des landwirtschaftlichen Alltags und beim überbetrieblichen Maschineneinsatz zahlreiche Quellen für eine Kontamination mit gentechnisch verändertem Erntegut bestehen. Von Seiten der Praktiker wurden die Arbeitsschritte Aussaat, Pflanzenschutz, Ernte und Transport getrennt betrachtet.
● Mute Schmipf, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Juni 2006.
Koexistenz im landwirtschaftlichen Alltag (2,4 MB)
● Mute Schmipf, Uni Kassel, März 2006.
Exemplarische Analyse zu maschineller Verschleppung von gentechnisch verändertem Pflanzenmaterial beim überbetrieblichen Maschineneinsatz (468 KB)
Während die Regierung den Anbau von gentechnischen Pflanzen vorantreiben will, fehlen zentrale Regeln zum Schutz der unbelasteten Lebensmittelerzeugung im Gentechnikgesetz.
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (26. Juni 2006)
Die gemeinsame Nutzung von Landmaschinen ist unter Bauern weit verbreitet. Die Gentechnik auf dem Acker aber setzt den kostengünstigen Gemeinschaften Grenzen: Die ständig nötige Reinigung der Mähdrescher ist unpraktikabel und geht ins Geld.
Frankfurter Rundschau (27. Juni 2006)
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