BASF Plant Science GmbH hat für 2010 beim zuständigen Bundesamt Versuchspflanzungen mit ihrer gentechnisch veränderten Stärkekartoffel beantragt. Das Unternehmen hofft auf die endgültige Anbaugenehmigung seitens der EU, denn in Deutschland stände dem Anbau dank der schwarz-gelben Bundesregierung nichts mehr im Wege. Die Regierung will Amflora für die industrielle Verwertung fördern, so heißt es im Koalitionsvertrag.
BVL: Bekanntmachung eines Vorhabens zur Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen
CDU: Koalitionsvertrag (S.50 mit Hinweis auf die Amflora)
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legte am 11.6.09 einen Bericht vor, in dem die Sicherheit von Amflora durch ein weiteres Gutachten bestätigt werden sollte. Ganz eins waren sich die Experten jedoch nicht. Auch unter ihnen werden schädliche Auswirkungen von Antibiotikaresistenz-Markergenen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt durchaus für möglich gehalten. Die schöpft nun Hoffnung, dass die "Amflora" nach 12 Jahren endlich zugelassen wird. Die Entscheidung innerhalb der EU ist aber noch längst nicht gefallen.
EFSA: Wissenschaftliche Gutachten zu Antibiotikaresistenz-Markergene
Nach einem CSU-internen Gezerre um den Anbau der Gentech-Kartoffel "Amflora" hat Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner das Machtwort gesprochen und den Versuchsanbau für 2009 auf 20 ha in Mecklenburg Vorpommern erlaubt. Strenge Auflagen, wie bspw. ein Zaun um die gesamte Ackerfläche, soll vor unkontrollierter Ausbreitung schützen.
Der kommerzielle Anbau ist nach wie vor nicht zugelassen. Grund ist der verzögerte EU-Zulassungsprozess für die Knolle, die einen höheren Stärkegehalt aufweist. Die Gentech-Kartoffel enthält außerdem ein antibiotikaresistente Marker-Gen und ist äußerst umstritten. Denn die Antibiotika wird in der humanmedizinischen Therapie angewendet. Die Verbreitung von Resistenzgenen könnte die Wirksamkeit der Medikamente beeinträchtigen. Gemäß EU-Recht dürfen derartige Gen-Konstrukte seit 2004 keine Zulassung mehr erhalten, so Greenpeace Österreich. 2007 wurde die Kartoffel bereits zu Versuchszwecken angebaut, wobei es herbe Kritik an den Betreibern gab. Denn die Kartoffeln lagen nach der Ernte an zwei Standorten auf den Flächen herum und konnten so ungehindert durch Tiere oder Menschen verbreitet werden.
10. Oktober 2007 - Trotz Ablehnung der Weltgesunheitsorganisation (WHO), der EU-Arzneimittelbehörde (EMEA) und in der Bevölkerung gegen gentechnisch veränderte Pflanzen kündigt die Kommission an, die gentechnisch veränderte Industrie-Kartoffel "Amflora" nicht nur als Industriekartoffel, sondern auch als Futtermittel zulassen zu wollen. Gleichzeitig will sie Verunreinigungen mit Amflora-Bestandteilen sogar erstmalig in Lebensmitteln zulassen – obwohl Amflora keine Zulassung als Lebensmittel hat und die Risikoprüfung zur Verwendung als Lebensmittel nicht einmal abgeschlossen wurde.
● EU-Kommission, Oktober 2007
Beschlussvorlage Zulassung Amflora für Futter- und Lebensmittel
● Bündnis 90/Die Grünen, 10.10.2007
Pressemitteilung
● Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, 09.10.2007
Pressmitteilung
● Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, 09.10.2007
Verschmutzungslizenz für Gentechnikpflanzen ist ein Kuckucksei
17. April 2007 - Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärt die genveränderte Kartoffelsorte "Amflora" durch ein Gutachten für unbedenklich.
Diese Beurteilung spricht gegen die Bedenken, die die EU-Kommission der kommerziellen Nutzung der "Amflora" entgegen brachte. Die Kommission hatte dem Inverkehrbringen zunächst nicht zugestimmt und die Europäische Arzneimittelagentur (EMEA) um eine Beurteilung gebeten. Die Prüfung der EMEA hatte ergeben, dass die Antibiotika-Resistenzen eine wichtige Rolle in der humanmedizinischen Therapie spielen.
EMEA: Stellungnahme zu Antibiotika-Resistenz-Markergenen
EFSA: Stellungnahme zum Antibiotika-Resistenz
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament: Presseerklärung
Märkische Allgemeine: BASF hofft auf Pflanzbeginn nach Plan
Auf Empfehlung der Europäischen Lebensmittelbehörde schlug der Kommissar für Verbraucherschutz und Gesundheit, Stavros Dimas, im Namen der Kommission vor, die Kartoffel zum Anbau und als Rohstoff zur industriellen Weiterverarbeitung zuzulassen.
● EU-Kommission
Entwurf der Kommission für eine Entscheidung des Rates
Das wissenschaftliche Gremium der EFSA ist der Ansicht, dass die Daten, die ihnen der Antragsteller übermittelt hat, ausreichen, um alle offenen Fragen zu beantworten. Die Mitglieder des Gremiums gehen davon aus, dass die Kartoffel EH92-527-1 im Rahmen ihres vorgesehenen Verwendungszwecks keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf die Umwelt haben wird. Dabei halten sie fest, dass die Kartoffelknolle nicht für den menschlichen Verzehr oder als Tierfutter im Ganzen gedacht ist.
● Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Informationen und Unterlagen zum Zulassungsverfahren
Die Erstprüfung des Antrags erfolgte durch die zuständige Behörde in Schweden. Der Hersteller beantragt die Genehmigung des GVOs zum Anbau, zur Saatgutherstellung und als Rohstoff für die Stärkeindustrie. Laut Antragsteller werden Anbau und Verarbeitung dieser Gentech-Kartoffel nach einem bestimmten System (Identity Preservation System) durchgeführt, mit dem eine Vermischung mit konventionellen Kartoffeln vermieden werden soll.
● Amylogene HB c/o Svalöf Weibull AB (S)
Notification for placing the potatoe on the market
Eingereicht hat BASF den Antrag bei der zuständigen Behörde in Großbritannien. BASF beantragt darin die Zulassung der Pflanze zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel und die Zulassung von Lebens- und Futtermitteln, die Bestandteile dieser Pflanze enthalten.
● BASF Plant Science GmbH, Apr. 2005.
Antrag auf Zulassung nach EU-Richtlinie 1829/2003
Tagesordnungen und Protokolle des Regelungsausschusses der EU-Kommission.
Ständiger Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit
Anträge und Zulassungen von GVOs in der EU dokumentiert das BVL, die zuständige Behörde für die Risikobewertung in Deutschland.
Gentechnisch veränderte Pflanzen auf Basis von Vermutungen und derart dünnen Daten zuzulassen, widerspricht dem Vorsorgeprinzip, auf dem die EU-Regelungen zur Marktzulassung von GVO gründen, eklatant. Der BUND hat sich deshalb die Aspekte der Toxikologie, Allergologie und der Antibiotikaresistenz näher angeschaut.
● BUND, Juli 2007
Anmerkungen zur beantragten EU-Zulassung der Amylopektinkartoffel Event EH92-527-1 der Firma BASF
Bei der EU liegt ein Zulassungsantrag von BASF für den Anbau einer gentechnisch veränderten Kartoffel vor, über den die EU-UmweltministerInnen am 20. Februar entscheiden sollen. Die BASF scheint zuversichtlich, hat sie doch bereits Mitte Januar über 150 Hektar für den Anbau in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern angemeldet. Und dennoch regt sich kein Sturm der Entrüstung, geht kaum jemand auf die Barrikaden. Fünf gute Gründe, sich dennoch gegen die Zulassung der BASF-Gentech-Kartoffeln zu engagieren.
GID 180, Feb./März 2007
Who's afraid of GM Potatoes?
In diesem Kommentar fasst Greenpeace in sechs Punkten zusammen, worin die Problematik beim Anbau der Stärkekartoffel besteht und welche unkalkulierbaren Risiken sie verbirgt. In der Kritik steht auch die Risikobewertung der EFSA. Ohne die Langzeitfolgen und Auswirkungen auf die Umwelt untersucht zu haben, erklärte die Zulassungsbehörde, die genmanipulierte Kartoffel in jeder Hinsicht für unbedenklich.
● Greenpeace, Nov. 2006.
Kommentar zur Stärkekartoffel (engl.)
Ob sich das Projekt Amflora, eine gentechnisch veränderte Kartoffel für Industrie-Stärke, ökonomisch für BASF lohnen wird, erscheint fraglich.
"Für uns kommt eine Verarbeitung von Amflora zurzeit nicht in Frage", sagt der Geschäftsführer von Südstärke Richard Lenk. Sein Unternehmen beliefere wie die meisten Stärkehersteller in Deutschland auch die Lebensmittelindustrie und die fordere gentechnikfreie Produkte." Wenn bekannt würde, dass wir in unserem Betrieb gentechnisch veränderte Kartoffeln verarbeiten, bekämen wir ein Imageproblem", sagt Lenk. Tatsächlich wäre es schwierig, die Verarbeitung gentechnisch veränderter und konventioneller Kartoffeln zu trennen.
● Süddeutsche Zeitung, 28. Nov. 2006.
Stärke für die Knolle
● BN in Bayern, 30. Nov. 2006.
Information zum Artikel „Stärke für die Knolle“
Die erste gentechnisch veränderte Kartoffel, die ihren Lebenszweck nicht als Sattmacher erfüllt, sondern als Baustoff, als Hartplastik, als Papierglätter oder auch als Arzneimittelkapsel will BASF auf ostdeutschen Äckern wachsen lassen.
● Die Welt, Okt. 2006.
Aus Kartoffeln wird Baustoff
Ob Gentech-Pflanzen als Lebens- oder Futtermittel oder als nachwachsender Rohstoff auf den Acker gelangen, spielt in Bezug auf ihre Umweltauswirkungen und ihre Koexistenzfähigkeit keine Rolle. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Vermischungen mit Produkten aus konventioneller und biologischer Landwirtschaft kommt, ist genauso groß.
● AbL, BUND, iaw, Mai 2006
Nachwachsende Rohstoffe (202 KB)
In Nordamerika sind bereits einige gentechnisch veränderte Kartoffelsorten zugelassen, doch durchgesetzt haben sie sich bisher nicht.
● bioSichheit.de, März 2006.
Bisher keine Erfolgsstory
Großes Interesse an der Kartoffelstärke haben nicht nur Lebensmittelproduzenten, sondern auch Hersteller aus der Pharma-, Papier-, Textil- oder Klebstoffbranche. Etwa 400 verschiedene Stärkeprodukte werden zum Beispiel in der Pharmaherstellung oder als Dichtungsmittel bei Gas- oder Ölbohrungen eingesetzt. Ihre Karriere in Europa startete die Kartoffel als Lebensmittel im 16. Jahrhundert.
● BUND, Gen-ethisches Netzwerk, 1997.
Faltblatt "Kartoffel"
Bei Risikoregister.de werden die angemeldeten Freisetzungsversuche in Deutschland geographisch zusammengestellt. Über Googlemaps finden Sie die flurstückgenauen Standorte der Gentech-Kartoffeln sowie die Natur- und Vogelschutzgebiete im Radius von 6000 Metern.
Risikoregister
Kein Einspruch bei Zulassung von Gentechnik-Kartoffel (4.1.10)
Weitere gentechnikfreie Amflora-Alternative (13.11.09)
Die gentechnikfreie Amflora-Alternative (2.10.09)
Infodienst (11.06.09) EFSA uneins über die Kartoffel
Infodienst (05.05.09):Landwirt pflanzt Genkartoffeln aus
Infodienst (27.04.09): Aigner erlaubt Anbau von Gentechnik-kartoffel
Süddeutsche: Seehofer will Aigner auf Kurs zwingen (21.04.09)
Bürgerinitiative Müritzregion-gentechnikfrei (20.09.08): Durchwuchs weiter im Acker
FAZ.NET (24.07.2008): BASF bringt Streit um Gentech-Kartoffel Amflora vor EU-Gericht
taz (09.07.2008): Amflora wächst und gedeiht
Graefe zu Baringdorf (18.4.2008): BASF blufft mit Gentech-Kartoffel
Hintergrundpapier der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft zu ökologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Folgen des geplanten Anbaus der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel "Amflora"
AbL
60 Menschen beteiligten sich am 13.04.2008 an einer Fahrraddemonstration von Bahnhof Falkenberg (Elster) zu einem geplanten Genversuchsacker der BASF. Auf dem Feld pflanzten die DemonstrantInnen zahlreiche gentechnikfreie Kartoffeln ein, so dass der Versuch nicht mehr mit vertretbarem Aufwand wissenschaftlich auswertbar ist.
Ein Erdapfel wird zum Zankapfel: Seit zwölf Jahren kämpft die BASF für ein Genprodukt. Ganz ungefährlich, sagt der Chemieriese, kein Risiko. In zahllosen Studien bewiesen. Die EU bezweifelt das und verweigert immer noch die Zulassung. Wer hat recht?
PNN-online (26.07.08)
Amflora
EH 92 -527-1
BASF Plant Science
Besonderen Stärkezusammensetzung, die die Verarbeitung in der Industrie erleichtern soll.
Enthält ein Antibiotikaresistenz-Markergen, das auch in der Human-Medizin eingesetzt wird
Kommerzieller Anbau, Futtermittel, Lebensmittelverunreinigung bis 0,9%, von der EU-Kommission noch nicht entschieden.
2009 für Versuchsfreisetzungen auf 20 Hektar in Bütow (Mecklenburg-Vorpommern)
Newsletter bestellen