Kaum Gentechnik-Anbau weltweit

Letztes Jahr wurden in der EU rund 108 000 Hektar Gentech-Mais angebaut. Der Mais MON 810 ist die einzige zum kommerziellen Anbau in der EU zugelassene Gentechnik-Pflanze.
Letztes Jahr wurden in der EU rund 108 000 Hektar Gentech-Mais angebaut. Der Mais MON 810 ist die einzige zum kommerziellen Anbau in der EU zugelassene Gentechnik-Pflanze.

Wie jedes Jahr klingt die Nachricht überwältigend: Liest man die Zahlen des International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) scheint der Siegeszug der Gentechnik in der Landwirtschaft unaufhaltbar: Auf nunmehr 125 Millionen Hektar, in 25 Ländern der Welt wurden 2008 Gentech-Pflanzen angebaut. Besonders in armen Ländern tragen Gentechnik-Pflanzen angeblich immer mehr dazu bei, die Schwierigkeiten der Landwirtschaft sowie das Hungerproblem zu lösen. Die meisten Medien übernehmen die Botschaft unhinterfragt.

Dabei ist beispielsweise der "historische Meilenstein" im weltweiten Anbau gerade einmal ein Anstieg von 0,2% auf 2,6% der weltweiten Anbaufläche. Die große Mehrheit des Anbaus (80%) findet nach wie vor in nur drei Ländern statt (USA, Argentinien und Brasilien). Und der trägt nicht dazu bei, dass der Welthunger gestillt wird. Die Pflanzen werden überwiegend für den Export produziert, um den Bedarf an Futtermitteln in reichen Ländern zu decken. Keine Gentech-Pflanze hat es bisher geschafft, Armut oder Hunger zu bekämpfen. Trocken- oder salzresistente Wunderpflanzen lassen nach wie vor auf sich warten.

Die statistischen Angaben des Reports sind insgesamt fragwürdig, da die Quellenangaben unklar sind. Denn nur wenige Länder dokumentieren den Gentechnik-Anbau gesondert. Die Zahlen stammen meist von der Gentechnik-Industrie selbst. Die Angaben für den Gentechnik-Anbau in Europa wurden ganz offensichtlich manipuliert: So wurde Frankreich, wo der Anbau seit letztem Jahr verboten ist, auch aus den vorherigen Angaben heraus gerechnet. Dadurch scheint der Anbau in Europa zu steigen. Tatsächlich, so zeigen Zahlen von Friends of the Earth Europe (FoE), gehen die Anbauflächen in Europa jedoch zurück. Eine weitere sehr eigenwillige Rechnung des Reports lässt den weltweiten Anbau von Gentech-Pflanzen in die Höhe treiben: So wird die Anzahl der Hektare, auf denen Pflanzen mit mehreren gentechnischen Eigenschaften wachsen, mit der Anzahl der Eigenschaften multipliziert. Ein Hektar, auf denen eine Gentech-Pflanze wächst, die gegen zwei Herbizide und ein Insektizid resistent ist, wird so zu drei Hektar Gentechnik-Anbau. Kritische Stimmen fordern deshalb immer wieder unabhängige Zahlen und Dokumentationen.

Der neue Report von FoE "Who benefits from GM crops?" zeigt auf, wer tatsächlich von der Agro-Gentechnik profitiert. Gentechnik-Pflanzen tragen demnach nicht zur Hungerbekämpfung, Ernährungssicherheit oder nachhaltiger Landwirtschaft bei. Denn Hunger ist eine Folge von Armut, nicht von zu geringer Lebensmittel-Produktion. Der Anbau von Gentech-Pflanzen steigert vielmehr den Verbrauch von Pestiziden und trägt so zum Gewinn der großen Biotech-Unternehmen durch Einnahmen von teurem Saatgut sowie Patentgebühren bei.

 ISAAA: Presseerklärung
 ISAAA: Executive Summary

 FoE: Biotech industry fakes growth of GM crops in Europe
 FoE: Undoing the ISAAA myths on gm crops (media briefing)
 FoE: Who benefits from gm crops - Executive summary

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