Das Landgericht Magdeburg hat am 11. Juni 2009 entschieden, dass sechs AktivistInnen der Feldbefreiungsgruppe "Gendreck Weg" bis zu 104000 Euro Strafe bezahlen müssen. Im April 2008 hatten sechs AktivistInnen der Feldbefreiungsgruppe "Gendreck Weg" große Teile des Freilandversuchs mit gentechnisch verändertem Weizen auf dem Gelände des IPK Gatersleben unschädlich gemacht. Als die Feldbefreier/innen die Aktion planten, nahmen sie auch ganz bewusst die juristischen Konsequenzen in Kauf. Sie wollen in den Prozessen deutlich machen, dass nicht ihr Widerstand, sondern die aktuellen Vorgänge im IPK die eigentliche Gefahr darstellen.
Die Angeklagten freuen sich über jede Form der Solidarität!

Den Anbau von Gentech-Weizen in der Nähe der Genbank Gatersleben wollen die Gegnerinnen und Gegner der Gentechnik nicht länger hinnehmen: In der Morgendämmerung zerstörten deshalb sechs Menschen das Gentech-Weizenfeld in Gatersleben, um der massiven Bedrohung eines einzigartigen Schatzes an Pflanzensorten ein Ende zu setzen. Mit Hacken brachten sie die Weizenpflanzen auf dem Versuchsfeld zu Fall, bevor die Polizei das Feld erreichte. Zum Ende der Feldbefreiung platzierten die Gentechnikgegner ein übergroßes Weizenbrot auf dem Boden des Feldes - es trug die gebackene Aufschrift "Unser tägliches Brot - ohne Gentechnik!"
Gendreck weg!: Presseinformationen vom 21. April 2008
Gendreck weg!: Was geschah in Gatersleben?
Die AktivistInnen wollen sich nicht verstecken: Sie fühlen sich nicht als kriminelle Extremisten, sondern als Menschen, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen, um ihren Job als Gemüsegärtnerin oder um die Vielfalt der bäuerlichen Landwirtschaft.
"Wenn jetzt die Zerstörung des Gentechnik–Feldes in der Genbank als gewaltmäßiger Akt verurteilt wird, fragen wir uns, warum sich die Verantwortlichen der Genbank und die politisch Verantwortlichen in Berlin trotz erheblicher Risiken einfach über die von Bauern, Verarbeitungsunternehmen und Wissenschaft vielfach vorgetragener Bedenken hinweggesetzt haben", so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).
Presseerklärung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
Die Kulturpflanzenbank in Gatersleben ist eine der größten Gendatenbanken der Welt und wird vom IPK (Insititut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung) betrieben. Dort werden ca. 147 000 Pflanzen als Samenkörner aufbewahrt. Sie dient der Erhaltung einer Vielfalt von Kulturpflanzen und betreibt regen Austausch mit Züchtern und anderen Genbanken weltweit. Denn um die Aussaat vor Krankheiten und klimatischen Veränderungen zu schützen, brauchen Landwirte ständig neue Sorten, die mit den genetischen Ressourcen der Genbank gezüchtet werden können. Um die Keimfähigkeit zu erhalten, müssen die Pflanzen regelmäßig vermehrt werden. Deshalb sät das IPK die Samen immer wieder aus. Dabei besteht die Gefahr der Verunreinigung durch die in der Nähe ausgebrachten Gentech-Pflanzen.
Archipel Nr. 148: DOSSIER SAATGUT - Zauberlehrlinge in einer Genbank
Umweltinstitut München: Genbank Gaterleben
Demonstration in Gatersleben
Am 21. Mai 2007 haben in Gatersleben über 200 Menschen gegen die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen demonstriert. Mit Transparenten und Treckern zogen sie vor das Tor des Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung.
Genbank soll Gentech-Weizen weichen
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat das Institut als Eigentümer der Genbank aufgefordert, die Vermehrungsflächen für alte Getreidesorten zu verlagern, weil sich Freisetzung von Gentech-Pflanzen und Genbank widersprechen. Das Institut hingegen hält den Anbau für sicher, die Gefahr der Auskreuzung sei nicht gegeben. Deshalb sei eine Umsetzung der Anbauflächen für die Genbank nicht notwendig. Der Fall zeigt die Unsicherheit in der Behörde bezüglich der Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen. Denn die selbe Behörde hatte den Versuch mit genmanipulierten Weizen genehmigt.
Aktion Ährensache
Bäckereien, Verbraucher, Bauern und Züchter beteiligten sich gemeinsam an der Aktion "Ährensache": Mit beedruckten Brottüten und Protest-Postkarten an Horst Seehofer sollte gegen die Freisetzung von Gentech-Weizen in Gatersleben protestiert werden.
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Klage gegen Gentech-Weizen
Bauern, Züchter, Umwelt- und Ärzteorganisationen wehren sich
gegen die Freisetzung des gentechnisch veränderten Weizens in Gatersleben
● Bündnis für eine Klage gegen den gentechnisch veränderten Weizen in Gatersleben, März 2007
Presseerklärung
Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Beamte der Zulassungsbehörde
Anlass der Beschwerde der Umweltinstituts München ist die Genehmigung des Freisetzungsversuchs in Gatersleben. Die Abteilung Gentechnik des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zeigt mit der Zulassung der Freisetzung von genmanipulierten Weizen erneut eine außerordenlich kritiklose Haltung gegenüber der Agro-Gentechnik.
● Umweltinstitut München, Nov. 2006.
Dienstaufsichtsbeschwerde
Fragwürdig ist der angegebene Zweck der Freisetzung nicht nur aus landwirtschaftlicher, sondern auch aus Sicht der Verbraucher. Europarechtliche Vorgaben, zur Vermeidung von Resistenzen keine Antibiotika-Markergene einzusetzen, werden missachtet. Genutzt wird auch ein Herbizid-Markergen, das bei möglichen Auskreuzungen auf verwandte Wildarten zu nicht gewünschten Vorteilen dieser Pflanzen in ihrer Pflanzengesellschaftführen kann.
● NABU, Sep. 2006.
Hintergrund zu den geplanten Freisetzungsversuchen
● NABU, BUND, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland e.V., Sep. 2006.
Einwendungen GV-Weizen
Gentechnisch veränderter Weizen ist eine existenzielle Bedrohung für die Land- und Lebensmittelwirtschaft.
Wenn solch ein symbolträchtiges Grundnahrungsmittel mit einer von der Verbraucherschaft abgelehnten Technik versehen wird, kann dies einen enormen Imageschaden für die deutsche Landwirtschaft und den verarbeitenden Bereich – die Bäcker – nach sich ziehen und letztendlich auch Betrieben ihre Existenz kosten.
● AbL, Umweltinstitut München, Sep. 2006.
Stellungnahme und Einwendung von Verarbeitungsbetrieben, Züchtern und Verbänden
Pressemitteilung
Gentechnische Eingriffe an unserer Hauptnahrungspflanze, dem Weizen, sind so überflüssig wie unakzeptabel. Sie stellen den Gipfelpunkt der industriellen Verfremdung unserer Lebensgrundlagen dar und führen zum Spiel mit vollkommen unnötigen und unakzeptablen Risiken für die Gesundheit von Menschen und Tieren sowie von Ökosystemen.
● Ökologischer Ärztebund e.V., Sep. 2006.
Einwendungen GV-Weizen
Infos zur Einwendung
Der finanzielle Aufwand für getrennte Erfassungssysteme für GV- und herkömmlichem Weizen steht der Einführung von GV-Weizen in den USA entgegen, lautet das Fazit der Marktanalyse von Bob Wisner von der Iowa State University: "Update on Potential Market Impacts from Commercializing Round-Up Ready Wheat: August 2006." 56 Prozent des angebauten Sommerweizens werden exportiert. Wisner warnt davor, dass bei Einführung von GV Weizen ein Viertel bis die Hälfte der Sommer- und Hartweizenexportsmärkte verloren gehen und die Preise um ein Drittel fallen könnten. Er verweist auf Exportverluste durch Einführung von GV-Mais sowie aktuelle Verluste beim Sojaexport. Von September 2005 bis August 2006 sind Sojaexporte auf 54 Prozente und Sojaschrotexporte auf 56 Prozent der Vorjahresmenge zurückgegangen.
● Farm Futures, Sep. 2006.
Updated Report Says Industry Still Not Ready for Bio-tech Wheat
Ein Video zur Feldbefreiung in Gatersleben. Aktivistinnen sprechen über ihre persönlichen Beweggründe und zeigen, wie sie gegen den Gentech-Weizen protestieren:
Cine Rebelde
RKI 6786-01-0178
IPK Gatersleben
Deutschland
Winterweizen
Triticum aestivum
Kohlenhydratgehalt; Proteingehalt
Erstanmeldung Gatersleben (ST)
01.10.06
30.04.08
"Der Versuchsacker liegt in unmittelbarer Nähe zu den Anbauflächen der Genbank im sachsen-anhaltinischen Gatersleben. Eine gentechnische Verunreinigung dieses Menschheitserbes durch Pollenflug oder Verschleppung durch Tiere wäre ein unersetzlicher Verlust für zukünftige Züchtungsbemühungen."
Umweltinstitut
„Es ist davon auszugehen, dass Mäuse, Hamster und Vögel die Samen verschleppen und damit angrenzende Felder mit dem Gen-Weizen verunreinigen. Denn laut Antrag soll die Anbaufläche nur mit einfachen Netzen und Schreckschussapparaten gesichert werden, was zur vollständigen Absicherung vor Wildtieren nicht ausreicht.“
NABU
"Die Absicht Gentech-Weizen in Gatersleben anbauen zu wollen, ist unverantwortlich und unnötig. Weltweit ist gentechnisch veränderter Weizen nicht zur Vermarktung zugelassen. Wegen des großen Widerstands von Landwirten hat Monsanto von einer Markteinführung in den USA und Kanada absehen müssen."
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