Dossier: Gentechnisch veränderte Tiere

Foto: take the flour back
Foto: take the flour back

In den Medien werden Meldungen über gentechnisch veränderte Tiere oft mit Stichworten wie "Frankenstein" oder "Monster" versehen. Doch was zunächst wie zweitklassige Science Fiction klingt, ist längst Realität in vielen Labors.

Auf der Suche nach dem vermeintlichen medizinischen Fortschritt oder einer Wunderwaffe gegen den Welthunger führen Wissenschaftler Gentech-Experimente an Tieren durch - und setzen diese unter Umständen auch zu Versuchszwecken in der freien Wildbahn aus.

Doch ein Allzweckheilmittel für Krankheiten und Hunger ist die Gentechnik nicht. Stattdessen sind die Konsequenzen für Ökosysteme und unsere Gesundheit völlig unklar.

 Schimpansen

 Insekten

 Lachs

 Debatte um Gentechnik-Tiere in der EU

Schimpansen

Patente auf Gentech-Schimpansen erteilt

Foto: CFalk / pixelio.de
Foto: CFalk / pixelio.de

22.10.2012 - Zwei Pharmaunternehmen haben sich vom Europäischen Patentamt mehrere gentechnisch veränderte Säugetiere rechtlich schützen lassen – darunter auch Schimpansen. Beide Firmen stammen aus den USA. Das Unternehmen Intrexon erhielt zwei Patente zugesprochen. Diese erstrecken sich auf mehrere Säugetiere, denen Insekten-Gene eingesetzt wurden. Sie sollen eine Veränderung der Arbeitsweise der Tierzellen ermöglichen – und letztlich, so befürchtet ein patentkritisches Bündnis, die gewinnbringende Vermarktung speziell angepasster Versuchstiere. Dem zweiten Unternehmen, Altor BioScience, gewährte das Europäische Patentamt im Juni ein Patent auf „transgene Tiere mit humanisiertem Immunsystem“.

Auch in der Vergangenheit wurden zahlreiche Patente auf Gentechnik-Tiere vergeben. 2011 beispielsweise auf einen Schimpansen, der durch die Modifizierung an Epilepsie erkrankt, damit entsprechende Medikamente getestet werden können. Das erste patentierte Tier war 1992 die "Krebsmaus" (in den USA 1988). Danach nahm die Zahl der Patente sprunghaft zu. Momentan werden rund 100 Tier-Patente pro Jahr erteilt. Dabei ist der Nutzen der gentechnisch veränderten Tiere für die Forschung umstritten. Kritiker argumentieren, dass diesbezügliche Hoffnungen wegen der Komplexität der Gene oft enttäuscht worden seien.

 Infodienst: Patente auf Gentech-Schimpansen erteilt (22.10.12)
 Gen-ethischer Informationsdienst: Von M wie Maus bis S wie Schimpanse - Artikel zur Geschichte der Tier-Patente (Oktober 2012)
 Testbiotech: Schwarze Liste erteilter europäischer Patente (November 2011)

Insekten

Gentech-Insekten: Einflussnahme der Industrie

Das Foto zeigt eine Olivenfliege, ein häufiger Schädling in Olivenhainen. Gentechniker wollen ihr Erbgut gentechnisch verändern, so dass sie im Larvenstadium sterben.
Foto: Alvesgaspar / Wikipedia

Im April 2014 erhielt die britische Firma Oxitec, in deren Vorstand ehemalige Mitarbeiter des Gentech-Konzerns Syngenta sitzen, die erste Genehmigung zur kommerziellen Freisetzung von gentechnisch veränderten Insekten weltweit. Eine brasilianische Behörde genehmigte ihre Gentechnik-Moskitos, mit denen die Verbreitung des Dengue-Virus gebremst werden soll. Ob das wirklich besser funktioniert als bisherige Methoden - und ob es Nebenwirkungen gibt - ist unklar.

Die Organisationen Testbiotech, GeneWatch UK, Corporate Europe Observatory, Erklärung von Bern und SwissAid zeigten 2012, wie Oxitec und Syngenta Einfluss auf Regulierungsmechanismen nehmen, um künftig gentechnisch veränderte Insekten auf den Markt bringen zu können. So war ein Oxitec-Manager direkt an der Entwicklung von Richtlinien bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA beteiligt, andere Experten der Behörde haben Verbindungen zu diesem oder anderen Unternehmen. In Spanien will Oxitec transgene Olivenfliegen freisetzen.

 Brasilien genehmigt Gentechnik-Moskitos (29.04.14)
 Testbiotech: Pressemitteilung zu Gentech-Insekten von Oxitec/Syngenta
 Der vollständige Bericht als pdf
 Gentechnik-Insekten: EU-Ombudsmann erwartet Antworten (27.03.13)


Mehr zum Vorhaben, gentechnisch veränderte Insekten zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft einzusetzen: 

 Infodienst: Gentech-Insekten im Gemüse? November 2012

Brasilien: Massenzüchtung gentechnisch veränderter Moskitos

Foto: Stefan Klaffehn / pixelio.de
Foto: Stefan Klaffehn / pixelio.de

09.07.2012 - Im brasilianischen Bundesstaat Bahia wurde im Juli 2012 eine „Moskito-Fabrik“ eingeweiht, in der vier Millionen gentechnisch veränderte Stechmücken pro Jahr ausgebrütet werden sollen. In der 850.000 US-Dollar teuren Anlage wird den Moskitos ein Gen eingepflanzt, das deren Nachkommen noch im Larvenstadium abtöten soll. Das brasilianische Gesundheitsministerium erhofft sich dadurch Fortschritte bei der Bekämpfung des Denguefiebers. Kritiker warnen jedoch vor "unvorhersehbaren Folgen für Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier."  weiterlesen...

Lachs

Massenproduktion kann in Kanada beginnen

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

November 2013 - Die kanadische Regierung hat der US-amerikanischen Firma Aquabounty die Erlaubnis erteilt, bis zu 100.000 Fischeier jährlich zu erzeugen und zu exportieren. Die transgenen Lachse sollen in Panama aufwachsen und schließlich in den USA vermarktet werden – auch dafür dürfte das Unternehmen bald die Genehmigung erhalten.  weiterlesen...

Viele Risiken, wenig Nutzen

Januar 2013 - Eine Studie der NGO Food & Water Europe fasst die Risiken, die der gentechnisch veränderte Lachs der Firma Aquabounty birgt, zusammen. Der Nutzen sei gering, die Gefahren für Mensch und Umwelt beträchtlich - und das Zulassungsverfahren US-amerikanischer Behörden dürftig.

 Download der Studie (pdf)

Nach jahrelangem Hin und Her hat die US-Lebensmittelbehörde FDA den Aquabounty-Lachs als "sicher" bewertet und damit der Zulassung einen Schritt näher gebracht. Das gilt aber nur für in Panama aufgezogenen Import-Gentech-Lachs.

 Meldung vom 03.01.13

USA: Zulassung von Gentech-Lachs gestoppt

20.06.2011 - Das Repräsentantenhaus der Vereinigen Staaten hat eine Zulassung von gentechnisch veränderten Lachsen zunächst gestoppt. Die Firma Aquabounty hatte vor mehr als zehn Jahren eine Genehmigung des Fisches bei der Lebensmittelbehörde FDA beantragt. Diese hatte den Lachs bereits als unbedenklich bewertet. Nun wurden der FDA die Gelder für die Zulassung des Gentechnik-Lachses entzogen.  weiterlesen...

Debatte um Gentechnik-Tiere in der EU

EU-Zulassungen: Stehen Gentechnik-Tiere vor der Tür?

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) veröffentlichte Anfang 2012 Richtlinien für die Bewertung von gentechnisch veränderten Tieren. Damit stellte sich die EU auf Anträge zur Zulassung von Gentech-Tieren ein. Wie schon bei gentechnisch veränderten Pflanzen geht die Behörde davon aus, dass sie Merkmale konventioneller und gentechnisch veränderter Tiere grundsätzlich miteinander vergleichen kann, um eine Risikobewertung durchzuführen. 2013 folgten weitere Richtlinien für die Bewertung lebender Gentechnik-Tiere - und das, obwohl der EU-Bürgerbeauftragte zur gleichen Zeit Interessenkonflikte bei der Arbeitsgruppe für transgene Insekten der Behörde untersuchte.

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Gentechnik-Tiere durchs Hintertürchen in die EU

30.09.2011 - Ganz ohne Anhörung, ohne Beachtung des Tierschutzgesetzes oder der Interessen der Verbraucher bastelt die EFSA an Leitlinien zur Zulassung gentechnisch veränderter Tiere. Damit wird die Grundlage für das Zulassungsprozedere von gentechnisch veränderten Lachsen, die schneller wachsen oder Kühen, die mit einem menschlichen Gen versehen sind und dessen Milch der Muttermilch ähnlicher ist, geschaffen.  weiterlesen...

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