05. Sep. 2006 - Nur in Ausnahmefällen führen amerikanische Behörden eine Risikoprüfung vor der Genehmigung einer Freisetzung durch. Ihre Vorschriften reichen nicht aus, um eine Auskreuzung der Testpflanzen mit verwandten Wildarten zu verhindern. Und die Überwachung der Freilandversuche beschränkt sich oft auf die Anweisung der Betreiber, dass sie unvorhergesehene Beobachtungen den Behörden melden sollen.
Die mangelnde Sicherheit von Freisetzungen in den USA hat die Verbraucherschutzorganisation Center for Food Safety in ihrer Studie "Contamination the Wild?" festgestellt. Ein Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA bestätigt das Ergebnis der Studie.
Ein Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums USDA bringt die völlige Überforderung der APHIS-Behörde zutage, die zuständig für die Überwachung von Freisetzungen ist.
Schon im ersten Absatz ist in dem Bericht zu lesen: "Der APHIS fehlen klare, umfassende Anforderungen und effektive interne Kontrollen, um die unbeabsichtigte Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen in die Umwelt zu minimieren." Oft wisse die Behörde nicht einmal, wo die Freilandversuche stattfinden und was mit den Ernten geschieht.
● U.S. Department of Agriculture, Dez. 2005.
Audit report (2,7 MB, engl.)
● Gen-ethisches Netzwerk, März. 2005.
Hintergrundbericht zum Report
Eine besonders alarmierende Entdeckung machten Wissenschaftler kürzlich bei einer Freisetzung mit transgenem Flechtstraußgras. Bis zu 3,7 Kilometer vom Ursprungsfeld entfernt fanden sie Auskreuzungen des Gentech-Grases. Das Unternehmen Scotts Seeds entwickelte das Gras speziell für Golfplätze und machte es gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent.
Schon vor zwei Jahren stellten Forscher der US-Umweltbehörde EPA in einer Studie fest, dass sich die Samen von genmanipuliertem Flechtstraußgras bis zu 20 Kilometer weit verbreiten. Die zuständigen Behörden hatten den Anbau mit einem Abstand von nur 300 Metern zu artverwandten Wildpflanzen genehmigt.
● derStandard.at, Sep. 2006
Wildpflanzen haben Resistenzgene übernommen
● Frankfurter Allgemeine Zeitung, Sep. 2006.
Resistenz vom Winde verweht
● die tageszeitung, Sep. 2004.
Neue Studie: Pollen von Gen-Gräsern fliegen viel weiter als gedacht
Das Center for Food Safety, eine amerikanische Verbraucherschutzorganisation, hat die Freisetzungspraxis mit gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA untersucht. Für die Studie werteten die Autoren mehr als 2500 Freilandversuche aus. Das Ergebnis ist der Bericht „Contamination the Wild?“. Er dokumentiert, wie fahrlässig die Behörden und Betreiber von Freisetzungen im Umgang mit Gentech-Pflanzen handeln.
1. Ohne Umweltrisikobewertung: Nur in fünf Prozent der Fälle, die die Studie untersucht, führten die Behörden vor der Genehmigung eine Umweltrisikobewertung durch.
2. Ohne Vorsorgemaßnahmen: Oft werden Isolationsabstände als einzige Sicherheitsmaßnahme genannt, um Wildpflanzen vor Auskreuzungen zu schützen. Versuche mit gentechnisch verändertem Raps genehmigte die USDA mit Abständen von 400 Metern zu verwandten Arten, obwohl Rapspollen mehrere Kilometer weit fliegen.
3. Freilandversuche ohne Überwachung: Es gibt kein standardisiertes Verfahren zur Risikobewertung der Testpflanzen. Die Versuche werden von den Betreibern in der Regel so angelegt, dass sie ausschließlich die neue agronomische Eigenschaft der Pflanze überprüfen, auf die die gentechnische Veränderung abzielt. Dann bleibt es dem Zufall überlassen, ob und wann ungewollte Nebenwirkungen entdeckt werden.
4. In Nachbarschaft mit verwandten Arten: Im Jahr 1987 formulierte das Landwirtschaftsministerium (USDA) erstmals Vorschriften für Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Seitdem hat es mehr als 1700 Feldversuche in Bundesstaaten bewilligt, in denen artverwandte Wildpflanzen beheimatet sind. Insgesamt sind 20 verschiedene Arten davon betroffen.
5. Freilandversuche auf riesigen Versuchsflächen: Entgegen der Annahme, dass es sich bei Freisetzungen um kleine Parzellen handelt, erstrecken sich die Flächen oft über einige 100 Hektar. Ein Versuchsgebiet für Flechtstraußgras in Oregon genehmigte das USDA für eine Fläche von 600 Acres (242 Hektar). Die Größe des Feldes trug wesentlich dazu bei, dass sich der extrem leichte Samen des Grases bis in Entfernungen von 20 Kilometern verbreiten konnte.
Der bisher größte Feldversuch wurde mit Baumwolle durchgeführt – auf einer Fläche von fast 14000 Hektar.
● Center for Food Safety, USA 2006.
Contamination the Wild? (1,5 MB, engl.)
Summary (120 KB)
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Die Fälle von unkontrollierten Auskreuzungen in den USA dokumentiert das GM Contamination Register