
Fühlt sich gut an auf der Haut! Da Baumwolle so beliebt ist und sich alle darin einhüllen wollen, wird die Baumwoll-Pflanze auf 2,5% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut. Meist in den USA, in Indien oder China. Die Folgen für die Umwelt sind oft katastrophal. Der Baumwollanbau verschlingt unglaubliche Mengen an Wasser. Jedes T-Shirt, das wir tragen, verbraucht nur im Anbau 2000 Liter Wasser. Auch der Pestizid-Verbrauch ist enorm: Ein Feld muss bis zur Ernte ca. 20 Mal gespritzt werden. Durch die hohen Preise für Saatgut und Pestizide stehen die Bauern unter einem riesigen Druck, eine hohe Ernte einzufahren, um die Kosten wieder reinzubekommmen. Transfair und Programme für den ökologischen Baumwollanbau versuchen mit anderen Anbaumethoden und garantierten Preisen diese Spirale zu durchbrechen. Doch bislang stammt weniger als ein Prozent der Baumwolle aus ökologischem Anbau.

Über 40% der weltweit angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. Die Bt-Baumwolle ist resistent gegen den Baumwollkapselbohrer, weil sie ein Gift gegen ihn produziert. Dafür nehmen Sekundärschädlinge zu: Ist der Baumwollkapselbohrer bekämpft, freuen sich die Blattläuse und Stinkwanzen und vermehren sich prächtig. Außerdem währt auch der Schutz gegen den Baumwollkapselbohrer nicht ewig. Seit 2008 werden vermehrt Resistenzen gegen das Bt-Gift festgestellt.
eco-news (12.2.2008) Baumwollschädling entwickelt Resistenzen gegen Pflanzenschutzmittel
Andere Gentechik-Baumwoll-Sorten sind resistent gegen die Pflanzengifte (Roundup Ready) der Gentechnikfirmen. Zwar kann durch die neuen Eigenschaften der Pestizid-Verbrauch kurzfristig gesenkt werden, längerfristig steigt er jedoch wieder an, weil auch die herbizidresistenten Pflanzen unempfindlich gegen das Gift werden. Auch anderen Problemen wie extreme Trockenheit oder zu viel Regen können die Gentechnik-Pflanzen nicht trotzen.
Um den zwangsläufig auftretenden Resistenzen Herr zu werden, wird die Baumwollpflanze mittlerweile gleich mehrfach gentechnisch manipuliert. Diese sogenannten gestapelten Merkmale sorgen dafür, dass die Baumwollpflanze sowohl ihr eigenes Bt-Gift produziert als auch resistent gegen die Spritzmittel der Gentechnikkonzerne ist.
Neben den USA und China ist Indien das Haupt-Anbauland für Baumwolle. Als die Bt-Baumwolle 2002 auf den Markt kam, waren die Erwartungen groß: Mehr Erträge und weniger Pestizideinsatz wurden versprochen. Millionen von indischen Bauern stellten um auf Gentechnik-Baumwolle. 2007 wurden auf über 70% der Baumwollfelder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut (ca. 7 Millionen ha). Doch die Erwartungen wurden nicht erfüllt und die Situation der Bauern ist prekär: In Indien ist gentechnisch verändertes Saatgut viermal so teuer wie konventionelles. Die ohnehin armen Bauern müssen mehr Geld ins Saatgut investieren und sind verschuldet, wenn die Ernte schlecht ausfällt. Die Abhängigkeit von Großkonzernen wird dadurch verstärkt, dass Saatgut durch Lizenzverträge immer wieder nachgekauft werden muss und nicht aus der eigenen Ernte gewonnen werden kann.
Außerdem fallen die Weltmarktpreise für das einst als "weißes Gold" gepriesene Produkt beständig: Die hoch subventionierte Gentechnik-Baumwolle aus den USA und Europa drückt die Preise. Viele Bauern begehen Selbstmord, weil sie aus ihrer schwierigen Lage keinen Ausweg sehen. Nicht allein die Gentechnik ist daran Schuld. Die Probleme der Landwirte werden durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen jedoch teilweise noch schlimmer. Denn der Anbau in Monokulturen fördert auch das Hungerproblem. Wurden früher gleichzeitig Gemüse und Früchte angebaut, muss heute erst die Baumwolle verkauft werden, um Nahrungsmittel zu kaufen.
Doch Baumwolle landet nicht nur in Jeans und T-Shirts. Bestimmte Teile der Fasern werden für die Papierherstellung verwendet. Und auch die rund anderthalb Kilogramm Samen pro Kilogramm Faser bleiben nicht ungenutzt: Man presst das Öl aus ihnen heraus. Übrig bleiben neben dem rötlichen Öl die sogenannten Ölkuchen, die in den Futtertrögen von Kühen und Schweinen landen. Sie vertragen die Giftfladen, denn ihre Mägen sind unempfindliche gegen die Giftstoffe der eiweißreichen Baumwollsamen. Außer den zahlreichen Pestiziden, denen die Baumwollpflanze während ihres Wachstum ausgesetzt war, produziert die Pflanze ein eigenes Gift namens Gossypol, das die Pflanze vor Schädlingen schützt. 2006 jubilierten Gentechnik-Bewürworter, man könne diese Öl nun bald auch für Menschen genießbar machen. Dank einer gentechnischen Veränderung sei es nunmehr möglich, dass Gossypol nur noch in der Pflanze, aber nicht im Samen produziert werde. Ein riesiges Potential zur Ernährungssicherheit wurde konstatiert. Ob das Öl mit weniger Gossypol vor dem Hintergrund des massiven Pestizideinsatzes beim Anbau tatsächlich empfehlenswert ist, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass auch 2009 die "klassischen" Gentech-Varianten (s. o.) den Markt bestimmen.
Spiegel-online (21.11.2006): Giftfreie Baumwolle soll Arme ernähren

Weniger als ein Prozent Baumwolle wird weltweit ökologisch angebaut. Die Vorteile der Bio-Baumwolle liegen jedoch auf der Hand. Wer Biobaumwolle anbaut, muss eine Fruchtfolge einhalten, um so die Schädlinge besser in Schach zu halten. Nach einem Jahr Baumwolle, werden im nächsten Jahr Bohnen, Erbsen oder eine andere Nahrungsfrucht angebaut. So können sich die Böden erholen und gleichzeitig produzieren die Bauern ihre eigene Nahrung. Außerdem bleibt Dünger im Boden. Außerdem sind die Preise, die für ökologisch erzeugte Baumwolle bezahlt werden sind, höher und verlässlich. Das Projekt von transfair in Burkina Faso arbeitet beispielsweise nach diesen Prinzipien. Das groß angelegte und vom Otto-Versand geförderte Projekt Cotton made in Afrika ist dagegen vielleicht gut gemeint, aber leider schlecht gemacht. Bei diesem Projekt wird zwar auf gewisse soziale und ökologische Mindeststandards geachtet, die Baumwolle ist aber weder fair gehandelt noch biologisch angebaut. Der Konzern verschenkt so seine riesige Marktmacht. Da sind eher hausbackene Textilunternehmen wie C&A schon fortschrittlicher: Dort wird für Bio-Cotton-Produkte konsequent zertifizierte Biobaumwolle eingekauft.
Deutschlandfunk (09.02.2009): Beliebter Rohstoff
Bio-Baumwolle - eine Chance für Frauen aus Burkina Faso
Cotton made in Africa
Kaufen Sie Kleidung aus ökologischer Baumwolle! Nicht Ihr Geschmack? Mittlerweile gibt es Texilien aus Bio-Baumwolle nicht mehr nur bei Hess Natur oder auf dem Öko-Markt. Selbst große Ketten wie H&M oder Otto werben mit natürlicher Mode und unterstützen teilweise Landwirtschafts-Projekte, die Landwirten bei der Umstellung auf ökologischen Anbau helfen. Aber Achtung! Einige Textilien sind erst aus 50% Bio-Baumwolle, also auch hier kann Gentechnik mit im Spiel sein (z.B. PURE WEAR von Otto)
H&M will 2008 etwa 3000 Tonnen ökologische Baumwolle verwenden. C&A ist bereits bei 7500 Tonnen und gehört damit zu den bislang größten Abnehmern von Biobaumwolle weltweit. Die wirtschaftliche Bedeutung des C&A-Einstiegs für Anbauländer wie Indien, aber auch Uganda oder Peru ist immens. Trotzdem ist Bio nicht gleich Bio - auch nicht im Textilbereich. Hess Natur achtet beispielsweise auch auf soziale und ökologische Standards bei der Verarbeitung und nicht nur bei der Produktion. Kirsten Brodde klärt in ihrem Buch "Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt" (Januar 2009) über die feinen Unterschiede auf. In Greenpeace Magazin gibt sie einen Überblick über die Thematik:
Greenpeace Magazin/ Kirsten Brodde (März 2008): Grün Couture
In dem Infokasten rechts finden Sie unter Tipps für "saubere"" Klamotten weitere nützliche Links. Außerdem erfahren Sie auf folgenden Firmenseiten mehr zum Thema:
Dokumentation des NABU-Workshops Gentechnik und Baumwollanbau:
Transgen, tranfair oder konventionell, Februar 2009
Der NABU hat ein Hintergrundpapier zum Thema "Baumwolle" herausgegeben.
NABU: Hintergrund Baumwolle, Feb. 2009
Die Studie der University of Wageningen zu den Folgen des weltweiten Baumwollanbaus kommt zu dem Ergebnis, dass Pestizideinsatz und Wasserverbrauch im bewässerten Anbau massive Probleme verursachen. Insbesondere für Regionen, in denen Baumwolle ohne Bewässerung angebaut wird, wird die Umstellung auf den Bio-Anbau empfohlen. Zudem sollten vermehrt auch soziale und handelsrelevante Aspekte in Betracht gezogen werden.
Karst Kooistra and Aad Termorshuizen (University of Wageningen, April 2006): The sustainability of cotton - Consequences for man and environment
Der WWF erklärt in diesem Hintergrundpapier nicht nur, wie Agrarsubventionen aus den USA und der EU die Preise für afrikanische Baumwolle drücken, sondern gibt einen Überblick über die Entwicklungen des Baumwollanbaus in den letzten Jahren.
WWF (Dezember 2005): Kampf ums "weiße Gold": EU- und US-Subventionen gegen Baumwolle aus Afrika
Fragen und Antworten zum Thema Bekleidung/Baumwollbekleidung hat das Umweltinstitut München e.V. zusammengestellt. Es geht hier um Probleme des konventionellen Baumwollanbaus, Chemikalien bei der Verarbeitung von Baumwolle sowie um Gentechnikbaumwolle.
Umweltinstitut München e. V.: Fragen und Antworten – Bekleidung – Baumwollbekleidung
Das Thema "Saubere Kleidung" rückt immer mehr ins Bewusstsein der Menschen. In diesen Blogs wird diskutiert und aufgeklärt:
Kirsten Brodde: Grüne Mode
hess natur-Blog
Korrekte Klamotten
...dass Einsatz der Gentechnik bei Textilien nicht deklariert werden muss?
Gentechnisch veränderte Baumwollsamen landen im Futtertrog der Tiere. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit listet hier die in der EU für Lebens- und Futtermittel zugelassenen Produkte auf:
Ein wenig beachtetes, aber interessantes Thema: Seit vielen Jahren lassen transnationale Konzerne des Agrobiotech-Sektors und die Forschung ihre neuen Saaten von Mais, Raps, Baumwolle oder Sojabohnen in Entwicklungsländern testen und vermehren. Sie umgehen so die strengeren Sicherheitsbestimmungen in ihren eigenen Ländern. Was für Folgen dies für die einzelnen Länder hat, erfährt man aus einer Fallstudie von Ute Sprenger, die die Saatgutvermehrung von Soja und Baumwolle in Costa Rica unter die Lupe genommen hat.
Im Oktober 2008 hat die EU den Import von gentechnisch veränderter Baumwolle der Firma Bayer zugelassen. Die Coordination gegen Bayer-Gefahren hat sich die Gefahren des Anbaus und Bayers Aktivitäten genauer angesehen:
Der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf hat sich mit der Lage verarmter Kleinbauern in Indien befasst und dabei festgestellt, dass die Gentechnik-Konzerne mit ihren Produkten die Lage der Bauern noch verschlimmert hätten. Er bezog sich dabei insbesondere auf indische Baumwollfarmer, die aufgrund der schlechten Erträge der Gen-Baumwolle in die Schuldenfalle gerieten und zu Tausenden Selbstmord begingen.
genfoodneindanke.de
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