In diesem Dossier finden Sie Zahlen und Entwicklungen rund um den Anbau von Gentechnikpflanzen sowie gentechnikfreien Regionen. In der rechten Spalte sind sämtliche Datenquellen aufgeführt, die Grundlage der Darstellung sind. Interessant ist, dass die Datenlage zum weltweiten Anbau von Gentechnik-Pflanzen meist aus Quellen stammen, die von der Gentechnik-Lobby mitfinanziert werden. Bei den Prozentangaben wird entweder die Landwirtschaftliche Nutzfläche (LNF) oder die Ackerfläche zu Grunde gelegt. Da in die Anbaufläche auch der kommerzielle Anbau von Papaya und der Versuchsanbau von Pappeln, Kürbis und anderen Obst- und Gemüsekulturen einfließen muss korrekterweise die LNF als Referenzfläche gelten.
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Pflanzen weltweit
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Mais in Europa
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Mais in Deutschland
● Versuchsanbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland
● Gentechnikfreie Regionen weltweit
● Gentechnikfreie Regionen in Deutschland
Der erste kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen fand 1996 in den USA statt. Seither ist die weltweite Anbaufläche (inklusive Versuchsanbau) nach Angaben der industriefreundlichen ISAAA auf 148 Mio. ha im Jahr 2010 angestiegen. Das macht 3 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche und ca. 10% der weltweiten Ackerfläche aus. Somit sind nach wie vor nur 97% der landwirtschaftlichen Nutzfläche bzw. 90% der Ackerfläche gentechikfrei bewirtschaftet.
Ein Großteil der Gentechnik-Pflanzen werden in fünf Ländern USA (45%), Brasilien (17%), Argentinien (16%) sowie Indien und Kanada (je 6%) angepflanzt. Im Wesentlichen sind es vier Nutzpflanzen Soja (50%), Mais (31%), Baumwolle (14%) und Raps (5%). Die Pflanzen sind, entweder mit einer Herbizidtoleranz (61%) , einer Insektenresistenz (17%) oder beidem (22%) ausgestattet.
Auf kleinen Flächen werden in den USA und Kanada Gentechnik-Zuckerrüben, auf Hawaii (USA) Papaya angebaut.
| GVO in ha 2010 | GVO in ha 2009 | % LNF 2009 | % Ackerfläche 2009 | |
|---|---|---|---|---|
| USA | 66,8 | 64 | 16 | 40 |
| Brasilien | 25,4 | 21,4 | 8 | 35 |
| Argentinien | 22,9 | 21,3 | 16 | 69 |
| Indien | 9,4 | 8,4 | 5 | 6 |
| Kanada | 8,8 | 8,2 | 13 | 19 |
| Gesamt | 148 | 134 | 3 | 10 |
In der Europäischen Union (EU) ist seit 1998 der gentechnisch veränderte Mais MON 810 zum kommerziellen Anbau zugelassen. Viele der EU-Länder bauen den Mais trotzdem nicht an. Sieben Länder haben den Anbau in den vergangenen Jahren verboten: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Luxemburg, Österreich, Polen und Ungarn. Ein Anbau existiert derzeit in den Ländern Portugal, Slowakei, Spanien, Rumänien und Tschechien. Illegal angebaut wurden schätzungsweise 3.000 ha in Polen. 2010 betrug die gesamte Anbaufläche 91.193 ha. Ein weiterer Anbaurückgang um 4% im Vergleich zum Jahr 2009, der sich vor allem in der Reduzierung der Anbauflächen in Portugal und Tschechien begründet. Seit März 2010 ist auch die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora zum kommerziellen Anbau zugelassen. Ein Verbot hat bisher Österreich, Luxemburg und Ungarn ausgesprochen. Ein Anbau fand im Jahr 2011 lediglich in Deutschland und Schweden statt.
In Deutschland durfte 2005 bis 2008 der Gentechnik-Mais MON 810 angebaut werden. 2008 wurden 3.171 ha mit Gentechnik-Mais bestellt. Das entsprach 0,15 % der gesamten deutschen Maisanbaufläche von 2.087.100 ha. Die Anbauflächen lagen zu 99% in den Bundesländern Brandenburg (1245 ha), Sachsen (953 ha), Mecklenburg-Vorpommern (746 ha) und Sachsen-Anhalt (196 ha). Seit April 2009 ist der Anbau des MON 810 verboten. Seit März 2010 ist der Anbau der gentechnisch veränderten Kartoffel Amflora erlaubt. 2010 wurde die Kartoffel auf 15 ha in Mecklenburg-Vorpommern 2011 nur noch auf 2 ha in Sachsen-Anhalt ausgepflanzt.
DMK: Gesamter Maisanbau in Deutschland im Jahr 2008
Standortregister: Zahlen zum Anbau von GV-Pflanzen in Deutschland
Unabhängig vom kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland existiert der Versuchsanbau im Freiland, sogenannte Freisetzungen. Im Jahr 2011 wurde in Deutschland auf einer Fläche von 7,3 ha Versuchsanbau betrieben und ist im Vergleich zu den Vorjahren (2009 – 30,4 ha und 2010 – 13 ha) stark zurückgegangen. Freigesetzt wurden 2011 gentechnisch veränderte Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben und Sommerweizen. Sachsen-Anhalt liegt mit 8 Versuchen auf einer Fläche von 6,2 ha vor Mecklenburg-Vorpommern (0,5 ha), Niedersachsen (0,6 ha) und Rheinland-Pfalz (200 qm) an erster Stelle.
Risikoregister Gentechnik-Landwirtschaft: Freisetzungen von GVO 2009
Weltweit schließen sich immer mehr BürgerInnen, LandwirtInnen und Unternehmen in Form von Initiativen und Gruppen zusammen, um sich zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft und zu gentechnikfreien Nahrungsmitteln zu bekennen. In 42 Ländern existieren gentechnikfreie Regionen oder Provinzen oder haben sich Kommunalverwaltungen, Landwirte sowie Landbesitzer klar gegen den Einsatz von Gentechnik auf ihren Flächen ausgesprochen. (Albanien, Australien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Indien, Irland, Island, Italien, Japan, Kroatien, Litauen , Luxemburg, Malta, Mazedonien, Montenegro, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn, USA, Zypern).
In einigen Ländern existieren keine speziell deklarierten gentechnikfreien Flächen obwohl sich die Menschen dort gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft engagieren. Der Grund liegt in der fehlenden Notwendigkeit für gentechnikfreie Regionen, da ein Anbau zugelassener Gentechnik-Kulturen beispielsweise wegen klimatischer Bedingungen nicht möglich ist.
Zu den besonders aktiven Ländern zählen Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, Slowenien, Spanien, Schweiz und Japan.
Bei der "gentechnikfreien Flächennutzung" in Deutschland wird unterschieden zwischen Regionen und Initiativen, Höfen, Kommunen und Kirchland. Allen gemeinsam ist die Absicht gentechnikfrei zu wirtschaften. Die Erklärungen sind verbindlich, wenn auch noch nicht rechtlich verankert. Die gentechnikfreien Regionen/ Initiativen haben seit ihrer Einführung im Jahr 2005 eine Anzahl von 190 erreicht. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche innerhalb der Regionen und Kommunen hat sich schon jetzt auf über 1 Mio. ha ausgeweitet. Die Anzahl der Landwirte beträgt derzeit knapp 30.000. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Brandenburg liegen flächenmäßig vorne.
| Gentechnikfreie Regionen/ Initiativen | Anzahl Landwirte | Landwirtschaftliche Nutzfläche in ha | |
|---|---|---|---|
| Gesamt | 208 | 31.493 | 1,17 Mio. |
| Baden-Württemberg | 32 | 5.021 | 153.463 |
| Bayern | 56 | 20.135 | 573.813 |
| Berlin-Brandenburg | 7 | 333 | 125.390 |
| Bremen | 1 | 106 | 5.611 |
| Hessen | 50 | 4.039 | 117.362 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 11 | 162 | 81.125 |
| Niedersachsen | 3 | 28 | 1.729 |
| Nordrhein-Westfalen | 23 | 1.010 | 29.193 |
| Rheinland-Pfalz | 9 | 278 | 14.225 |
| Sachsen | 6 | 116 | 24.188 |
| Sachsen-Anhalt | 5 | 112 | 28.122 |
| Schleswig-Holstein | 4 | 113 | 11.899 |
| Thüringen | 1 | 40 | 2.400 |
Stand: September 2011
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Beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen wird zwischen kommerziellem - und Versuchsanbau unterschieden. Kommerziell angebaute Pflanzen gehen in den Handel, Pflanzen aus dem Versuchsanbau dienen ausschließlich Forschungszecken. Den Versuchsanbau mit gentechnisch veränderten Organismen im Freiland bezeichnet man als Freisetzung.

Im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucher- schutz und Lebensmittelsicherheit werden Daten und Fakten rund um den Anbau von GVO in Deutschland erfasst. Jeder Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen muss hier flurstücksgenau eingetragen werden.

In der Datenbank des Joint Research Center der Europäischen Kommission sind alle Freisetzungen von Gentechnikpflanzen in Europa einsehbar.
Die von einer Privatperson betriebene Seite veröffentlicht Statistiken, thematische Karten und Entwicklungsanalysen zum Anbau von MON810-Mais, Freisetzungen sowie Kontaminationen durch gentechnisch verunreinigtes Saatgut in Deutschland.

Greenpeace hat eine Karte veröffenlicht auf denen die Standorte von Feldern mit Genmais- und Genkartoffelanbau in Deutschland markiert sind.

Die Homepage des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) liefert Zahlen, Fakten und Analysen zur gentechnikfreien Flächennutzung. Unterschieden werden Kommunen, Initiativen sowie Einzelerklärungen.
Das deutsche Maiskomitee bietet Informationen rund um die Kulturpflanze Mais. Es veröffentlicht unter anderem Statistiken zum Anbau von Mais welt-, europa- und deutschlandweit. Daten speziell zum Gentechnik-Maisanbau sind nicht vorhanden.
Friends of the Earth International ist eine Organisation, die sich für eine gesündere und gerechtere Welt einsetzt. Jedes Jahr analysieren sie kritisch die nahezu einzige Datenquelle über den weltweiten Gentechnik-Anbau des ISAAA. Ihre detaillierten Bewertungen veröffentlichen sie in einem Bericht.

Die Webseite des Landwirtschaftsministerium der USA (USDA) stellt Zahlen vom Anbau der gentechnisch veränderten Kulturen Mais, Baumwolle und Sojabohnen in den USA zur Verfügung. Das Material ist sehr benutzerfreundlich aufgearbeitet.

International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) ist eine Organisation mit dem Ziel der Verbreitung von pflanzlicher Biotechnologie. Finanziert werden sie unter anderem von Bayer Crop Science und Monsanto. Das Datenmaterial ist nach den verschiedenen Kulturarten, ihren transgenen Eigenschaften sowie den Anbauländern strukturiert. Sie geben jährlich einen Bericht zur weltweiten Anbausituation von gentechnisch veränderten Pflanzen heraus. Aus Mangel an weiteren Datenquellen bieten sie meist die Grundlage für Berichte zum Stand des Gentechnik-Anbaus weltweit. Die Zahlen sind oft im Sinne der Gentechnik schöngerechnet.
Auf den Seiten von Transgen (im wesentlichen von der Agro-Industrie finanziert) werden Zahlen zum welt-, europa- und deutschlandweiten Anbau veröffentlicht. Datengrundlage sind meist die vom ISAAA veröffentlichten Zahlen.
Transgen