In diesem Dossier finden Sie Zahlen und Entwicklungen rund um den Anbau von Gentechnikpflanzen sowie gentechnikfreien Regionen. In der rechten Spalte sind sämtliche Datenquellen aufgeführt, die Grundlage der Darstellung sind. Interessant ist, daß die Datenlage zum weltweiten Anbau von Gentechnik-Pflanzen meist aus Quellen stammen, die von der Gentechnik-Lobby mitfinanziert werden.
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Pflanzen weltweit
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Mais in Europa
● Kommerzieller Anbau von Gentechnik-Mais in Deutschland
● Versuchsanbau von Gentechnik-Pflanzen in Deutschland
● Gentechnikfreie Regionen weltweit
● Gentechnikfreie Regionen in Deutschland
Der erste kommerzielle Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen fand 1996 in den USA statt. Seither ist die Anbaufläche auf 114,3 Mio. ha im Jahr 2008 angestiegen. Dies sind etwa 2,4 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Steigerungsrate der Anbaufläche mit Gentechnik-Pflanzen von 2007 auf 2008 betrug 0,2%.
Hauptsächlich werden Gentechnik-Pflanzen in fünf Ländern (USA, Argentinien, Brasilien, Kanada und Indien) angepflanzt. Es handelt sich im Wesentlichen um vier Nutzpflanzen (Soja, Mais, Baumwolle und Raps), die entweder insektenresistent, herbizidtolerant oder beides sind. Den größten Anteil nimmt der Anbau von Sojabohnen ein.
Auf kleinen Flächen werden in den USA, Kolumbien, Australien oder China auch Gentechnik-Zuckerrüben, -Zucchinis, -Papayas, -Tomaten sowie Gentechnik-Alfalfa, -Pappeln, -Nelken aber auch Gentechnik-Petunien angebaut.
In der Europäischen Union (EU) ist seit 1998 nur der gentechnisch veränderte Mais MON 810 zum kommerziellen Anbau zugelassen. Die Anbaugenehmigung besteht seit 1997/98. Viele der EU-Länder bauen ihn trotzdem nicht an. Sieben Länder haben den Anbau in den vergangen Jahren verboten: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Luxemburg, Österreich, Polen und Ungarn. Ein Anbau existiert derzeit in den Ländern Portugal, Slowakei, Spanien, Rumänien und Tschechien. Illegal angebaut wurden schätzungsweise 3.000 ha in Polen. 2008 betrug die gesamte Anbaufläche 108.000 ha. Das sind 0,78% der gesamten europäischen Maisanbaufläche (14 Mio. ha). Mehr als 80 % wurde in Spanien angebaut. Im Jahr 2009 lag die Anbaufläche in Europa nur noch bei 86.275 ha. Der Rückgang begründet sich zu einem kleinen Teil (3.171 ha) im deutschen Anbauverbot. Bis auf Portugal haben alle restlichen Gentechnik-Anbauländer in Europa ihre Flächen teils erheblich reduziert, in Rumänien und Slowien um über 50%.
In Deutschland durfte 2005 bis 2008 als einzige kommerziell genutzte Pflanze der MON 810 angebaut werden. 2008 wurden 3.171 ha mit Gentechnik-Mais bestellt. Das entspricht 0,15 % der gesamten deutschen Maisanbaufläche von 2.087.100 ha. Die Anbauflächen lagen zu 99% in den Bundesländern Brandenburg (1245 ha), Sachsen (953 ha), Mecklenburg-Vorpommern (746 ha) und Sachsen-Anhalt (196 ha).
Unabhängig vom Verbot des kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland existiert der Versuchsanbau im Freiland, sogenannte Freisetzungen. Im Jahr 2009 wurde in Deutschland auf einer Fläche von 30,4 ha Versuchsanbau betrieben. Freigesetzt wurden gentechnisch veränderte Kartoffeln (24,5 ha), Mais (5,6 ha), Zuckerrübe (1,7 ha), Sommerweizen (507,5 m2), Sommergerste (9,6 m2) und Petunie (477 m2) ha. Bei den Kartoffel-Freisetzungen besteht der Vorwurf, es handele sich um einen getarnten Vermehrungsanbau. 24,5 ha sind mit keiner wissenschaftlichen Fragestellung rechtzufertigen. Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 21,45 ha flächenmäßig an erster Stelle beim Versuchsanbau.
Risikoregister Gentechnik-Landwirtschaft: Freisetzungen von GVO 2009
Weltweit schließen sich immer mehr BürgerInnen, LandwirtInnen und Unternehmen in Form von Initiativen und Gruppen zusammen, um sich zu einer gentechnikfreien Landwirtschaft und zu gentechnikfreien Nahrungsmitteln zu bekennen. In 33 Ländern existieren gentechnikfreie Regionen oder Provinzen oder haben sich Kommunalverwaltungen, Landwirte sowie Landbesitzer klar gegen den Einsatz von Gentechnik auf ihren Flächen ausgesprochen. (Albanien, Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Irland, Italien, Japan, Kroatien, Luxemburg, Mazedonien, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ungarn, USA, Zypern).
In einigen Ländern existieren keine speziell deklarierten gentechnikfreien Flächen obwohl sich die Menschen dort gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft engagieren. Der Grund liegt in der fehlenden Notwendigkeit für gentechnikfreie Regionen, da ein Anbau zugelassener Gentechnik-Kulturen beispielsweise wegen klimatischer Bedingungen nicht möglich ist.
Zu den besonders aktiven Ländern zählen Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, Slowenien, Spanien, Schweiz und Japan.
Bei der "gentechnikfreien Flächennutzung" in Deutschland wird unterschieden zwischen Regionen und Initiativen, Höfen, Kommunen und Kirchland. Allen gemeinsam ist die Absicht gentechnikfrei zu wirtschaften. Die Erklärungen sind verbindlich, wenn auch noch nicht rechtlich verankert. Die gentechnikfreien Regionen/ Initiativen haben seit ihrer Einführung im Jahr 2005 eine Anzahl von 190 erreicht. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche innerhalb der Regionen und Kommunen hat sich schon jetzt auf über 1 Mio. ha ausgeweitet. Die Anzahl der Landwirte beträgt derzeit knapp 30.000. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Brandenburg liegen flächenmäßig vorne.
| Gentechnikfreie Regionen/ Initiativen | Anzahl Landwirte | Landwirtschaftliche Nutzfläche in ha | |
|---|---|---|---|
| Gesamt | 191 | 30.000 | 1 Mio. |
| Baden-Württemberg | 30 | k. A. | 147.167 |
| Bayern | 52 | k. A. | 549.778 |
| Berlin-Brandenburg | 7 | k. A. | 97.655 |
| Hessen | 45 | 3.974 | 114.133 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 12 | 134 | 57.325 |
| Niedersachsen | 3 | 28 | 1.729 |
| Nordrhein-Westfalen | 21 | 1.156 | 26.340 |
| Rheinland-Pfalz | 8 | 268 | 13.025 |
| Sachsen | 4 | 85 | 17.880 |
| Sachsen-Anhalt | 5 | 112 | 28.122 |
| Schleswig-Holstein | 3 | 69 | 9.000 |
| Thüringen | 1 | 40 | 2.400 |
Stand: Oktober 2009
Beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen wird zwischen kommerziellem - und Versuchsanbau unterschieden. Kommerziell angebaute Pflanzen gehen in den Handel, Pflanzen aus dem Versuchsanbau dienen ausschließlich Forschungszecken. Den Versuchsanbau mit gentechnisch veränderten Organismen im Freiland bezeichnet man als Freisetzung.

Greenpeace hat eine Karte veröffenlicht auf denen die Standorte von Feldern mit Genmais- und Genkartoffelanbau in Deutschland markiert sind.
Karte: Genmais- und Genkartoffelanbau 2010

Im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucher- schutz und Lebensmittelsicherheit werden Daten und Fakten rund um den Anbau von GVO in Deutschland erfasst. Jeder Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen muss hier flurstücksgenau eingetragen werden.
Die von einer Privatperson betriebene Seite veröffentlicht Statistiken, thematische Karten und Entwicklungsanalysen zum Anbau von MON810-Mais, Freisetzungen sowie Kontaminationen durch gentechnisch verunreinigtes Saatgut in Deutschland.

Die Homepage des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) liefert Zahlen, Fakten und Analysen zur gentechnikfreien Flächennutzung. Unterschieden werden Kommunen, Initiativen sowie Einzelerklärungen.
Das deutsche Maiskomitee bietet Informationen rund um die Kulturpflanze Mais. Es veröffentlicht unter anderem Statistiken zum Anbau von Mais welt-, europa- und deutschlandweit. Daten speziell zum Gentechnik-Maisanbau sind nicht vorhanden.
Friends of the Earth International ist eine Organisation, die sich für eine gesündere und gerechtere Welt einsetzt. Jedes Jahr analysieren sie kritisch die nahezu einzige Datenquelle über den weltweiten Gentechnik-Anbau des ISAAA. Ihre detaillierten Bewertungen veröffentlichen sie in einem Bericht.

Die Webseite des Landwirtschaftsministerium der USA (USDA) stellt Zahlen vom Anbau der gentechnisch veränderten Kulturen Mais, Baumwolle und Sojabohnen in den USA zur Verfügung. Das Material ist sehr benutzerfreundlich aufgearbeitet.

International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA) ist eine Organisation mit dem Ziel der Verbreitung von pflanzlicher Biotechnologie. Finanziert werden sie unter anderem von Bayer Crop Science und Monsanto. Das Datenmaterial ist nach den verschiedenen Kulturarten, ihren transgenen Eigenschaften sowie den Anbauländern strukturiert. Sie geben jährlich einen Bericht zur weltweiten Anbausituation von gentechnisch veränderten Pflanzen heraus. Aus Mangel an weiteren Datenquellen bieten sie meist die Grundlage für Berichte zum Stand des Gentechnik-Anbaus weltweit. Die Zahlen sind oft im Sinne der Gentechnik schöngerechnet.
Auf den Seiten von Transgen (im wesentlichen von der Agro-Industrie finanziert) werden Zahlen zum welt-, europa- und deutschlandweiten Anbau veröffentlicht. Datengrundlage sind meist die vom ISAAA veröffentlichten Zahlen.
Transgen
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