Gentechnik-Pflanzen breiten sich unkontrolliert aus

Sind gentechnisch veränderte Pflanzen erst einmal freigesetzt, verbreiten sie sich unkontrolliert und lassen sich nicht mehr zurückholen. Durch den Transport von Saatgut und Erntemaschinen, durch Wind und Bienen gelangen die Pollen oft kilometerweit. "Koexistenz ist nicht möglich", sagt der kanadischen Landwirt Percy Schmeiser und spricht dabei aus eigener Erfahrung. Seine Felder wurden durch Gentech-Raps von Monsanto verunreinigt, woraufhin der Konzern ihn wegen Patentverletzung verklagte. Durch die Freisetzung von Gentech-Pflanzen wird die gentechnikfreie Landwirtschaft gefährdet. Verbraucherinnen und Verbraucher können auf lange Sicht nicht mehr frei wählen.

Vor allem die Imkerei ist durch Gentechnik gefährdet. Bienen kennen keine Sicherheitsabstände und sammeln auch Pollen von Gentechnik-Pflanzen. Imker haben daher besondere Probleme, ihre Produkte gentechnikfrei zu halten. Denn der Gentech-Mais MON 810 ist in Deutschland zum Anbau zugelassen. Nach aktueller Rechtssprechung ist Honig, der Pollen des MON 810 enthält, nicht verkehrsfähig. Die Folgekosten muss jedoch der Imker tragen und nicht der Bauer, der den Gentechnik-Mais anbaut: Das sind zum Beispiel Kosten für den eventuellen Standortwechsel, für die Honiganalyse sowie für die mögliche Entsorgung. Die gesamte Ernte eines bayerischen Imkers wurde so im September 2008 zunichte gemacht. 

In unserer Studiensammlung zur Kontamination und Auskreuzung finden Sie zahlreiche Untersuchungen, die belegen, wie schwierig es ist, Gentech-Pflanzen unter Kontrolle zu bringen.

 Infodienst Bibliothek: Koexistenz
 Infodienst: Dossier Bienen und Gentechnik
 Percy-Schmeiser-on-tour.org (Web-Seite zur Tour in Deutschland)
 Umweltinstitut München: Interview mit Percy Schmeiser (12/2005)

Obwohl 2008 auf über 100 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden, gibt es kein globales Überwachungssystem. GeneWatch UK und Greenpeace International haben deshalb eine Initiative gegründet, die alle Vorfälle sammelt, die mit dem Anbau von Gentechnikpflanzen zu tun haben. Dazu gehören der illegale Anbau und negative Folgen für die Umwelt.

 Greenpeace/ Gene Watch UK: Contamination Register

Gentechnik schadet der Umwelt

Gentechnik-Konzerne rufen nach neuen besseren Pflanzen-Sorten. Dabei müssen wir nur nutzen und schützen, was uns über Jahrhunderte das Überleben gesichert hat: Die Vielfalt unserer Landwirschaft. Doch sie ist bedroht. 75% der Kultursorten unserer Lebensmittel sind im letzten Jahrhundert verschwunden. Aber wir brauchen sie, um in Zukunft aus der genetischen Vielfalt zu schöpfen und Pflanzen an widrige Bedingungen anzupassen. Die Monokultur der industriellen Landwirtschaft zerstört unsere biologische Vielfalt. Gentechnisch veränderte Pflanzen funktionieren nur in einem landwirtschaftlichen System, das hochindustrialisiert ist. Herbizidresistente Pflanzen werden im Gesamtpaket mit chemischen Spritzmitteln verkauft.

Die britischen Studien "Farm-Scale-Evaluations" belegen in einer umfangreichen Untersuchung, dass die Biodiversität (die Vielfalt an verschiedenen Pflanzen und Tieren) durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen, die gegen das Ackergift Roundup resistent gemacht wurden, stark zurückgeht. Der Anbau von diesen sogenannten herbizidresistenenten Pflanzen - das ist weltweit vor allem Roundup-Ready-Soja - führt dazu, dass mehr und giftigere Pestizide verwendet werden. Denn durch das Aufbringen von nur einem Herbizid (Roundup) bilden sich Resistenzen gegen das Ackergift, die mit weiteren, meist giftigeren Pestiziden bekämpft werden müssen.

Neben den herbizidresistenten Gentechnik-Pflanzen gibt es die sogenannten Bt-Pflanzen. Sie wurden so gentechnisch verändert, dass sie ihr eigenes Bt-Gift produzieren, das gegen Schädlinge wirken soll. In Deutschland ist das der Bt-Mais MON 810, der von dem Konzern Monsanto hergestellt wird. Das Bt-Gift vernichtet aber nicht nur Schädlinge. Es wirkt auch schädlich gegen nützliche Insekten. Zudem besteht die Gefahr, dass sich das Gift im Boden anreichert und dort das empfindliche Ökosystem schädigt.

Gentechnik hilft nicht gegen den Hunger

Spätestens seit dem Bericht des Weltlandwirtschaftsrates (IAASTD) vom April 2008 ist die weltweite Nahrungsmittelkrise ein Thema in allen Medien. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis und Getreide haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt. Die Gentechnik-Industrie will das Problem mit trockenresisten Pflanzen und Hochertragssorten lösen. Doch laut einem aktuellen Bericht von Friends of the Earth ist die Gentechnik mit ihrer industriellen Landwirtschaft nicht Lösung, sondern eine der Ursachen des Problems. So fordert auch der IAASTD eine radikale Wende in der Agrarpolitik. Nur eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Land und Ressourcen gerecht verteilt, ohne die ökologischen Grundlagen zu zerstören, wird künftig neun Milliarden Menschen ernähren können. Der Einsatz der Gentechnik wird nach Einschätzung der WissenschaftlerInnen dabei kaum hilfreich sein.

 Informationsdienst: Hunger und Gentechnik

 Friends of the Earth, Februar 2009: Who benefits from gm crops?
 Dokumente zum Weltagrarbericht
 BUND: Unrealistische Heilsversprechen über Gentech-Wunderpflanzen

Beispiel Golden Rice
Immer schon gab die Gentechnik-Industrie vor, zur Lösung globaler Probleme beizutragen. Da den Menschen in Indien und anderen Reisanbaugebieten aufgrund von Vitamin-A-Mangel Erblindung droht, erfand man einen Reis, der mehr Beta-Karotin enthält als gewöhnlicher Reis. Beta-Karotin wird im Körper unter anderem zu Vitamin A umgewandelt. Da dieser Reis eine gelbe Farbe hat, nannte man ihn schnell "Golden Rice". Wer diese neue Errungenschaft den Menschen vorenthalte, gefährde ihre Gesundheit, sagen die Gentechnikbefürworter. Doch die Wahrheit ist etwas komplizierter. Tatsächlich soll über ein vermeintlich "humanitäres" Projekt die Gentechnik salonfähig gemacht werden. Es gibt jede Menge konventionelle Gemüsesorten, mit denen der Vitamin-A-Mangel leicht bekämpft werden könnte, ohne dass man dafür die Risiken der Gentechnik in Kauf nehmen müsste. Das sagt auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, die außerdem dazu rät Vitamin-A-Pillen zu verteilen und normale Lebensmittel mit Vitamin A anzureichern. Technisch ist das Problem also längst gelöst. Was fehlt sind klare politische Prioritäten für die Umsetzung und nicht eine neue gentechnisch veränderte Pflanze.

 foodwatch (07.01.2009): Fragwürdige Versprechen der Gentechnikindustrie
 Greenpeace: Golden Rice: Nicht alles, was glänzt, ist Gold

Die Wirkung auf die menschliche Gesundheit ist ungeklärt

Auf den ersten Blick scheint es keine offensichtlichen gesundheitlichen Auswirkungen durch den Verzehr von Gentech-Pflanzen zu geben. Das ist nicht verwunderlich. Denn es gibt so gut wie keine unabhängigen Langzeituntersuchungen. Weder Gelder noch das Interesse für die Forschung scheinen ausreichend vorhanden zu sein. Das wundert wenig, denn eventuelle negative Ergebnisse würde den Gentechnik-Konzernen schaden. Die wenigen unabhängigen Forschungen, die dennoch durchgeführt werden, verheißen allerdings nichts Gutes. Nach einer aktuellen Langzeit-Studie des österreichischen Gesundheitsministeriums, ist die Fruchtbarkeit von Mäusen, die mit einer gentechnisch veränderten Maissorte des US-Agromultis Monsanto gefüttert wurden, signifikant beeinträchtigt.

Italienische Forscher belegen außerdem Veränderungen im Immunsystem von mit Gentechnikpflanzen gefütterten Mäusen. Eine Studie von Prescott und seinen Kollegen hatte 2005 Aufsehen erregt, weil es in Laborversuchen mit Mäusen Hinweise auf eine Reaktion des Immunsystems gegeben hatte. Das BfN hat jetzt ein neues Gutachten dazu herausgegeben. Eine Studie französischer Wissenschaftler veröffentlicht in der angesehenen American Chemical Society vom Dezember 2008 hat darüber hinaus die Diskussion über die Giftigkeit des Herbizids Roundup (der Wirkstoff ist Glyfosat) für menschliche Zellen neu entfacht. Roundup Ready wird bei denjenigen gentechnisch veränderten Pflanzen gespritzt, die gegen dieses Spritzmittel resistent gemacht wurden.

Ungeachtet dieser alarmierenden Ergebnisse lässt die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA*) weiter Gentechnik-Pflanzen zu. Die EFSA bewertet die Gentechnik-Pflanzen im Hinblick auf mögliche Gefahren für unsere Nahrung. Sie wertet allerdings lediglich Studien aus, die von den Gentechnik-Unternehmen selbst kommen. Die Arbeit der EFSA wird deshalb seit einiger Zeit stark kritisiert. Es fehlt an unternehmensunabhängiger Forschung und an Kompetenz aus der praktischen Landwirtschaft. Außerdem wird Wissenschaftlern, die für die EFSA arbeiten, vorgeworfen, mit Gentechnikunternehmen verbandelt zu sein.

*European Food Safety Authority

Preise für gentechnikfreie Lebensmittel steigen

Bei der Diskussion um die Vor- oder Nachteile der Agro-Gentechnik wird oft vergessen, dass durch den Anbau von Gentechnik-Pflanzen erhebliche Folgekosten für die gesamte Gesellschaft entstehen. Neben den Kosten für Sicherheitsforschung, Zulassungsverfahren, Überwachung des Anbaus und der gesetzlichen Regelungen, tragen die Hersteller und Verarbeiter von gentechnikfreien Lebensmitteln erhebliche Kosten. Denn um die Produkte gentechnikfrei zu halten, müssen Hersteller erheblichen Aufwand betreiben, wenn in der Nachbarschaft gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden: Prüfung des Betriebes, Reinigung, Prüfung und getrennte Nutzung der Erntemaschinen, Kontrolle der Produkte auf Gentechnik-Freiheit u.v.m. Im September 2008 musste ein deutscher Imker seinen gesamten Honig vernichten, weil der Pollen des MON810 Maises enthielt. Ersetzt werden all diese Kosten leider nicht.

Patente schaffen Abhängigkeiten

Weniger als zehn Konzerne dominieren heute den Weltmarkt für Saatgut und Pestizide. Mithilfe der Patentierung von Gentech-Pflanzen versuchen diese Unternehmen die Kontrolle über die weltweite Nahrungsmittelproduktion zu erlangen. Nachdem im Jahr 2000 die höchste richterliche Instanz im europäischen Patentrecht, die Große Beschwerdekammer, entschieden hat, dass genmanipulierte Pflanzen und Tiere grundsätzlich patentierbar sind, sind bis jetzt über tausend Patente auf Gentechnik-Pflanzen erteilt worden.

Das bedeutet für die Landwirte, die Gentech-Pflanzen benutzen wollen, dass sie das Saatgut jedes Jahr kaufen oder Lizenzgebühren zahlen müssen. Im Fall des kanadischen Bauern Percy Schmeisser hat Monsanto sogar dann Lizenzgebühren verlangt, wenn es sich um ungewollte Verschmutzungen von Nachbarfeldern handelte. Dadurch, dass die Bauern ihr uraltes Recht, das Saatgut selbst zu vermehren, verlieren, geraten sie in Abhängigkeit von Saatgutkonzernen, die immer mächtiger werden. Die Patente sind aber nicht auf Saatgut und Pflanzen beschränkt, sondern erstrecken sich in vielen Fällen über die Ernte bis hin zum Lebensmittel.

Und Konzerne wie Monsanto, Syngenta oder Plant Bioscience machen nicht vor der konventionellen Pflanzenzucht halt. Längst gibt es Patentanträge auf herkömmliche Pflanzen und Tiere. Egal, ob es sich um Schweine, Brokkoli oder eine bestimmte Tomatenart handelt, die Pflanzenzüchter wollen sich am liebsten alles patentieren lassen, um so ihre Marktmacht zu steigern. Monsanto hat sogar Patente auf die Zucht von Schweinen und Kühen angemeldet. Im Jahr 2002 erteilte das Europäische Patentamt (EPA) der britischen Firma Plant Bioscience das Patent (EP 1069819) auf ein Verfahren, um Brokkoli mit einem erhöhten Anteil an einem bestimmten Inhaltsstoff (Glucosinolate) zu züchten. Die sogenannte Schrumpeltomate wurde 2003 patentiert. Doch das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Es gibt erhebliche Widerstände gegen diese „Patente auf Leben“. 

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