Soja Farmer
Sojafarmer in den USA (Foto: United Soybean Board, Checking on Early Growth, http://bit.ly/2a9nE83, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Dicamba: Ein Herbizid entzweit US-Landwirte

20.07.2017

In einigen US-Staaten mehren sich die Klagen von Landwirten, deren Felder durch Abdrift des Herbizids Dicamba massiv geschädigt wurden. Der Staat Arkansas hat die Anwendung des Pflanzengifts daraufhin verboten – zum Entsetzen der Farmer, die auf das Herbizid angewiesen sind.

Denn Dicamba wird vom Konzern Monsanto im Doppelpack verkauft, zusammen mit der Sojabohne MON 87708 und der Baumwollpflanze MON 8870, die gegen dieses Uralt-Herbizid resistent gemacht wurden. Gekauft haben das Doppelpack vor allem Landwirte, auf deren Feldern nach jahrelangem Anbau glyphosattoleranter Gentech-Soja auch das Unkraut gegen das Spritzmittel resistent geworden war. Vor zwei Jahren erhielt Monsanto die Zulassung für die beiden Pflanzen und vertreibt sie seither unter dem Markennamen Xtend. Schon damals befürchteten Umweltorganisationen, dass der Verbrauch von Dicamba massiv ansteigen werde. Das 1967 erstmals zugelassene Herbizid wird in Studien mit erhöhten Krebsraten unter Landwirten und Geburtsschäden bei ihren Söhnen in Verbindung gebracht. Außerdem ist es sehr leicht flüchtig und kann an heißen Tagen verdunsten und kilometerweit verfrachtet werden. [+] mehr...

EFSA
Das Hauptgebäude der EFSA in Parma (Foto: Lucio Rossi / EFSA)

EFSA: Pestizidhersteller haben die Glyphosat-Bewertung redigiert

18.07.2017

Im November 2015 veröffentlichte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA ihre Risikobewertung zu Glyphosat. Zwei Wochen vorher durften Vertreter der Pestizidhersteller den Entwurf der Bewertung lesen und umschreiben. Das belegen E-Mails, die von der Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) veröffentlicht wurden. Die EFSA bezeichnete das Vorgehen als gängige Praxis.

In ihrer Bewertung kam die EFSA zu dem Schluss, dass Glyphosat nicht krebserregend sei und schlug vor, die Grenzwerte für die noch akzeptable Belastung mit Rückständen zu erhöhen. Wie der von CEO veröffentlichte Mailverkehr zeigt, schickte die EFSA den Entwurf 14 Tage vor der Veröffentlichung an das Beratungsunternehmen Dr. Knoell Consult. Es war im Auftrag der Glyhosate Task Force (GTF) tätig, einem Lobbyverband der Glyphosat-Hersteller. [+] mehr...

Glyphosat Herbizid
Herbizid im Einsatz (Foto: Chafer Machinery / flickr, Chafer Sentry, Applying Defy at 250l/ha on wheat land in Lincolnshire, bit.ly/29E6Sk4, creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Glyphosat-Zulassung: Die Entscheidung naht

13.07.2017

Am 19. und 20. Juli werden die EU-Mitgliedsstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel über die weitere Zulassung von Glyphosat beraten. Die EU-Kommission hat dazu ihren Vorschlag auf den Tisch gelegt, die Zulassung um weitere zehn Jahre zu verlängern. Eine neue Studie mehrerer Umweltorganisationen wirft den Behörden, die Glyphosat bewertet haben, einen „systematischen Regelbruch" vor.

Der von der Kommission vorgelegte Vorschlag sieht keine Einschränkungen für den Einsatz von Glyphosat vor. Er stellt lediglich den Mitgliedsstaaten frei, bei der Produktzulassung auf den Schutz des Grundwassers oder der Anwender zu achten. Außerdem sollen sich die Mitgliedsstaaten selbst darum kümmern, den Gebrauch von Glyphosat in öffentlichen Anlagen zu minimieren. Nicht zugelassen werden dürfen glyphosathaltige Herbizide, denen die als gitfig bekannten POE-Tallowamine zugesetzt wurden. Erlaubt bleibt die umstrittene landwirtschaftliche Praxis, Getreide kurz vor der Ernte mit Glyphosat abzuspritzen, damit die Körner gleichmäßig reifen (Sikkation). [+] mehr...

Sitzung des Deutschen Bundestages (Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Trutschel/photothek.net)
Sitzung des Deutschen Bundestages (Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Trutschel/photothek.net)

Sie haben die Wahl – auch beim Thema Gentechnik

12.07.2017

Über 61 Millionen Menschen in Deutschland können am 24. September 2017 die Abgeordneten für den Bundestag wählen. Auch wenn Gentechnik nicht das beherrschende Thema der Wahl sein wird, so haben doch die meisten Parteien in ihren Wahlprogrammen einige Sätze und Absichten kundgetan.

Im „Regierungsprogramm 2017 – 2021“ von CDU/CSU allerdings kommt das Wort Gentechnik nicht vor. Im Landwirtschaftsteil stehen lediglich die Sätze: „Wir treten für die Bewahrung der Schöpfung ein. Deshalb lehnen wir Klonierung von Tieren ab.“ Der Begriff Biotechnologie taucht in dem Programm zwei mal auf: Einmal als einer der Bereiche, in denen neue und zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Zudem versprechen CDU/CSU unter dem Stichwort Forschung, eine „Biotechnologie-Agenda“ zu erarbeiten, „damit Deutschland auch in diesem hoch innovativen Forschungsgebiet seine Chancen wahrt.“ [+] mehr...

So
Mehr Gentechnik-Soja für EU-Futtertröge (Foto: CC0)

EU: Mehrfach resistente Soja-Bohnen stehen vor der Zulassung

11.07.2017

Die EU-Mitgliedsstaaten wollen am morgigen Mittwoch über die Importzulassung einer neuen Gentechnik-Soja abstimmen. Die Sorte DAS-68416-4 des US-Konzerns Dow Agrosciences wurde so verändert, dass sie gegen die Herbizide 2,4-D und Glufosinat resistent ist. Gedacht ist die neue Sorte für Gentech-Landwirte aus den USA oder Lateinamerika. Denn auf deren Feldern wächst immer mehr Unkraut, das gegen das Herbizid Glyphosat resistent ist. Damit die Landwirte die Dow-Bohnen in die EU importieren dürfen, braucht es eine Zulassung.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat Mitgliedstaaten und Kommission aufgefordert, den Import dieser Soja und deren Verwendung in Lebens- und Futtermitteln nicht zu erlauben. Vor einer Zulassung müssten vielmehr die Rückstände der Herbizide, die mit den Sojabohnen in die Nahrungskette gelangen können, besser untersucht werden. Das hatte die EU-Lebensmittelbehörde EFSA nicht getan, als sie sich in ihrer Stellungnahme für eine Importzulassung aussprach. [+] mehr...